318 KI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
und bessere Mittel zu Bekämpfung der Tataren, Litbauens und Polensgewonnen baben würde, als durcb die Einrichtung des Kriegs-Lehns-dienstes. Letzterer lieferte allerdings eine grosse Zabl von Soldaten,aber in grossen Opoltschenien, ungeregelten Haufen obne west-euro-päische reguläre Organisation, und nocb dazu von Wojewoden geführt,die nach Stellen rechneten nach ihrer Geschlechtsabstammung. So führtealso die Richtung, welche Johann III. der russischen Kriegs-Verfassunggegeben und in der sie durcb seine Nachfolger weiter entwickelt wurdebis zum Ende des 17. Jahrhunderts, eine mehr asiatische als west-euro-päische, dieselbe noch auf 2 Jahrhunderte hinaus von ihrer Umbildungnach west-europäischem Muster fort, welche dann erst durch Peter I.entschieden durchgeführt wurde.
Unter Johann's III. Nachfolgern war es vornehmlich Johann IV.,welcher die Kriegs-Verfassung des russischen Reiches und den Kriegs-Lehnsdienst, wozu noch das Strelitzen-Wesen kam, das sich ursprüng-lich nutzbringend erwies, dann aber in russisches Janitscharenthumausartete, und hauptsächlich die Leibwachen, diese rein tatarisch-byzantinische Einrichtung von zum Glück nur kurzer Dauer — in derersten Richtung weiter ausbildete. Besonders in der 2. Hälfte der Re-gierung Johann's IV. erhielt das Kriegswesen des russischen Reiches,trotz der Unterhaltung einer grösseren Anzahl von fremden Söldnern,einen weit mehr den asiatischen Monarchieen, als west-europäischenStaaten ähnelnden Charakter. Ganz anders unter Boris Godunow:dieser ungewöhnlich kluge und aufgeklärte Staatsmann, durchdrungenvon der Ueberzeugung, dass der Zeitpunkt gekommen sei zu entschie-dener Losreissung von Asien, und festerem Anschluss an West-Europa,sorgte in weiser und geschickter Art für den Schutz des russischenReiches durch Kriegs-Vertheidigungs-Anordnungen nach Osten undSüden, wendete aber seine ganze Aufmerksamkeit und Anstrengungauf Kriegs-Angriffs-Maassregeln gegen die Feinde im Norden undWesten, Schweden und Polen, und auf die engste Annäherung Russlandsan West-Europa, in kriegerischer Hinsicht und Anderm durch das Strebennach einer mehr west-europäischen Kriegsorganisation. Den Anfangdazu machte er durch Vermehrung der fremdländischen Leibwachen,welche nach Johann's IV. Tode erhalten blieben und den Kern desrussischen nach west-europäischem Muster formirten Heeres abgebensollten. Aber seine Regierung war eine zu kurze, und nach sei-nem Tode, gleichzeitig mit dem Auftreten des 1. Pseudo-Regenten,wurden die segensreichen Anfänge derselben spurlos verwischt durchdie 9jährigen Wirrnisse der unruhigen Zeit der Interregnen und Usur-patoren.
So bietet denn überhaupt die vorstehende Zeitperiode das Bild