Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

306 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Prikas behandelte alle Lehnsgüter, die Kasanskaja Isba*) (späterin D w o r, Hof, zuletzt in Prikas, Kollegium, umgetauft) die bürgerlicheund militärische Verwaltung des Reiches Kasan, und von 1599 ab auchSibiriens (das bis dahin von dem Possolski Prikas verwaltet wordenwar) u. s. w. Unter den eigentlich militärischen Prikasen lag demBronny Prikas (Rüstungs-Kolleg) die Herstellung der schwerenRüstungen und der blanken Waffen, sowie die Anstellung etc. der Meister(Waffenschmiede u. s. w.) ob, welche von demselben Geld- und Land-gut-Zahlungen erhielten, die Strelitzen-Isba (später StrelitzkiPrikas) hatte die Strelitzen und städtischen Kasaken unter sich, u. s. f.Die Vermehrung der eigentlichen militärischen Prikase reicht bis ins17. Jahrhundert. Ueber den Prikasen stand seit Johann IV. die GrosseDuma (oder kaiserlicher Rath), in welchem alle Angelegenheiten, bür-gerliche und militärische, zusammenliefen.

Rasrjady (oben. §. 168, erwähnt) Messen eine Art von mili-tärischen Bezirken, in welche Wojewoden, Ratniki und alle Truppenüberhaupt eingetheilt waren, auf Grund der Rasrjadnyja-Knigioder besondrer Register über den Ort ihres ständigen Aufenthalts, Lehns-besitzes u. s. w.

Die militärische Rangstufenordnung vermehrte sich und wurdemannichfaltiger zum Theil nach alter Weise in Verbindung mit der Hof-und Beamten-Hierarchie. Die höchste militärische Würde war nach wievor die des Wojewoden. Seit Johann III. wurden die Wojewodendurch den Herrscher ernannt. Höher als alle Uebrigen standen die mos-kauischen; die der Theilreiche wurden in städtische Bojaren verwandelt.Die moskauischen grossfürstlichen oder zarischen Wojewoden warenPolkowye (Regiments-) oder Gorodowye (städtische). Von denPolkowye gab es, entsprechend der Eintheilung des Heeres in 5 Regi-menter, bei jedem Regimente 2, bisweilen 3, aus Bojaren und Okol-nitschen, selten aus Stolniki (s. oben): einer von diesen war stets derälteste und commandirende des Regiments, die Andern waren seine Ge-hülfen. Es gab 3 Stufen von Regiments-Wojewoden: zu der 1. gehörteder 1. Wojewode des Grossen Regiments oder der Grosse Wojewode,der Oberbefehlshaber des ganzen Heeres (je nach Zahl der Armeen gabes deren bisweilen 2 oder 3); zur 2. die 2. Wojewoden des grossen Re-giments und die 1. Wojewoden der Regimenter der rechten und der linkenHand; zur 3. die 2. Wojewoden dieser Regimenter der rechten und linkenHand, sowie die Wojewoden der Avant- und Arriere-Garden-Regimenter.Ausserdem gehörten zur Zahl der Regiments-Wojewoden: der Jcrtoul(Jertolny), der der Artillerie oder Wojewodebeim Geschütz (u nar-

Isba bedeutet Hütte, Stube, also »Kasansche Kammer«. Anm. d. Uebers.