Ost- und West-Russland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 233
Russland, und nach ihrem Muster wahrscheinlich begannen um die Mittedes 15. Jahrhunderts daselbst die städtischen Kasaken sich zu bil-den, von welchen oben die Rede war.
Die Zahl der Don- und Dnjepr-Kasaken vermehrte sich erheblichdurch Flüchtlinge und Zuzüge verschiedener Art, seit Anfang des 15.Jahrhunderts aus Klein-Russland (Ukraine), und später (Ende 15.Jahrhunderts) auch aus Ost- oder Gross-Russland. Die Ersterenflohen vor den Bedrückungen der Regierung, des Adels und der Geist-lichkeit Polens, die Letzteren vor den festen und strengen Maassregelnder Monarchie, welche ihre alten Rechte und Freiheiten, Vorrechte undAbgaben und damit zugleich deren Bedeutung im Gemeinwesen be-schränkte oder ganz beseitigte.
Die Kriegsorganisation der Kasaken und deren Heerwesen bis zumEnde des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts waren noch sehr einfachund hatten den allgemeinen Charakter der unorganisirten leichten Reiter-heere und freien Bewohner und Parteigänger der weiten Don- undDnjepr-Steppen. Eine regelmässigere, wenn auch eigenthümlicheKriegsverfassung erhielten sie erst Ende des 15. und Anfang des 16.Jahrhunderts, weshalb diese auch erst später seines Orts dargestelltwerden soll.
II. West-Russland.
§. 159.Heeresorganisation und ifteiegswesen desselben.
West-Russland, seit Mitte 14. Jahrhunderts dasErbtheil der lithaui-schen und russischen Grossfürsten, Nachkommen und Nachfolger Gedi-min's, welche jedoch dem grossrussischen Glauben angehörten und mitden russischen Fürsten mehrfach verschwägert und durch Familienbandeverknüpft waren, befand sich in günstigerer Lage als Ost-Russland.Seinen Glauben, Sprache, Sitten, Gebräuche und Gesetze bewahrend,war es nicht unter die Botmässigkeit der Tataren gerathen und bildeteein unabhängiges selbstständiges Reich unter dem Namen Grossfür-stenthum Lithauen und Russland, seinen Nachbarn eine Drohungdurch den kriegerischen Geist seiner Grossfürsten.
Leider dauerte dies nicht lange, — nur y 2 Jahrhundert: im Jahre1386 bestieg das Haus Gedimin's, in der Person seines EnkelsOlgerdow, Sohn Jagail's oder Jagello's (1377—1434), welcher