Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

Ost- und West-Russland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 231

älteren kleinerer Bruder.« Deshalb war Alles, innere Orga-nisation des öffentlichen und des Kriegswesens in Pskow genau dasselbewie in Nowgorod, ohne Zweifel sogar von Nowgorod entlehnt, abgesehenvon einigen lokalen Eigenthümlichkeiten, die näher zu erörtern über-flüssig wäre. Zu bemerken ist nur, dass hier wie dort Feuerwaffen,Steinbefestigungen der Städte, deren Belagerung und Vertheidigungfrüher von West - Europa Eingang fanden, bekannt wurden und in Ge-brauch kamen, als in Ost-Russland. Der Holz -Kreml von Pskow exi-stirte schon 1127, um 1253 war ganz Pskow bereits mit Mauern und Thür-men von Holz, nach ausserhalb aus Stein und Erde umgeben (s. oben).Im Jahre 1226 fing man an, zuerst den Kreml mit einer Dowmon-tow seh en M au e r, dann nachundnach auch die ganzeinnere und äussereStadt mit Mauern und Thürmen zu versehen, so dass i. J. 1323 der ganzeKreml und ganz Pskow Mauern und Thürme hatte, zum Theil noch vonHolz. Derartige Holzbauten wurden übrigens noch bis ins 17. Jahrhun-dert hinein vorgenommen.

Es bleibt noch die merkwürdige Thatsache zu erwähnen, dass Pskowan der Grenze von Livland und nahe der von Lithauen gelegen, vom 11.bis zum 18. Jahrhundert 26 grosse und kleine Belagerungen und Ein-Schliessungen erduldete, aber nur 1 mal eingenommen wurde und zwardurch Verrätherei und Uebergabe im Jahre 1214 durch Hermann,Bischof von Derpt, den livländischen Ordensmeister Hermann vonBalk, und die ihm verbündeten dänischen Feldherren, im Jahre 1242aber von dem nowgorodischen Fürsten Alexander Iaroslawitsch(später Newski) wieder befreit wurde, welcher demnächst am 5. Aprildesselben Jahres die livländischen Ritter auf dem Eise des Tschu-dischen Sees aufs Haupt schlug (also bevor der Eisgang einge-treten war).

§. 158.Don- und Dnjepr-Kosaken.

Im 12. und 13. Jahrhundert erscheinen auf dem Räume zwischenDon undDnjepr, den Sudgrenzen Russlands, und dem Nord-Ufer desschwarzen und asowschen Meeres unter verschiedenen Namen: Brod-niki (Landstreicher), Berendjäer, Tschernye Klobuki (SchwarzeKappen), Bjeloweshzi, Tscherkassi u. s.w. Freischaaren, Kriegs-leute verschiedenster Nationalitäten. Von Krieg und Raub lebend, dientensie dem, der sie am besten bezahlte, und so auch den russischen Fürsten,häufiger aber noch plünderten und verheerten sie die Südgrenzen Russ-lands. Sie waren vielleicht aus den Ueberresten der Chazaren, Petschen-jäger, Polowzer, Torker, Ugrer, und der kaukasischen Alanen, Jassen,

16*