Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen
 

230 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege ete.

innere Organisation, Befestigungen, Belagerungen und Vertheidigungender Städte und 'das gesammte Kriegswesen überhaupt anbelangt, soglichen diese im Grossen und Ganzen denen in Ost-Russland (s. oben),einige Besonderheiten ausgenommen. 1) Dem mongolischen Einflüssevollkommen fremd, konnten sie nicht freibleiben von dem der Schweden,livländischen Ritter, Lithauer, Polen und West-Europa's überhaupt, daNowgorod ausgedehnte Handelsverbindungen und Beziehungen mit derganzen baltichen Küste und besonders den Hansastädten hatte, und inNowgorod selbst beständig sich viele fremde Kaufleute aus West-Europaaufhielten, welche daselbst ihre Häuser, Magazine, Böden u. s. w. be-sassen. 2) Aus diesen Ursachen verstanden die Nowgorodzen sich früherund besser auf westeuropäische Einrichtungen. Neuerungen und Vervoll-kommnungen, auch im Kriegswesen, und u. A. auch auf die Feuerwaffen,welche unzweifelhaft früher zu ihnen gelangten und sich da verbreiteten,als in Ost-Russland, vielleicht sogar gleichzeitig oder doch sehr bald nachderen Einführung in West-Europa. 3) Dasselbe gilt von den Mitteln derBefestigung, Belagerung und Vertheidigung von Städten. Nowgorod undseine anderen wichtigeren Städte wurden weit früher als die Ost-Russlands,statt mit hölzernen Mauern und Thürmen, aussen und innen mit steinernenumgeben, von welchen letztere in Nowgorod selbst den alten Kreml.nebstder Sophien-Kathedrale und allen Heiligthümern und Alterthümern um-schlossen. Und als man in Ost-Russland erst.seit Ende des 14. Jahrhun-derts begann, die Städte mit steinernen Mauern und Thürmen zu be-festigen, waren Nowgorod und die wichtigeren Städte dieser Provinzschon damit versehen, ganz nach Art der westeuropäischen Städte.Ebenso wendeten die Nowgoroder auch bei Belagerung und Vertheidig-ung von Städten die gleichzeitigen Mittel West-Europa's an, welche sie,wie die Verwendung der Feuerwaffen dabei, früher kennen gelernt hatten.Mit einem Wort in Bezug auf Kriegswesen und dessen verschiedeneZweige war Nowgorod, näher an West-Europa liegend und nicht, wieOst-Russland, dem mongolischen Einflüsse ausgesetzt, letzterem Landeum ein gutes halbes Jahrhundert voraus.

Pskow, in alter Zeit Pleskow, gleichfalls eine sehr alte Stadt imLande der slawj ansehen Kriwitschen, am Einfluss des Flusses Pskow in dieWelikaja, war seiner,Geschichte nach, wie an innerer Staats- und Kriegs-Verfassung Nowgorod vollkommen gleich, nur in kleineren Verhältnissen.In jeder Hinsicht aufs Engste mit Nowgorod verknüpft, war es den-noch ganz unabhängig von demselben, und im Gegentheil ihm überhauptgleich. Die Pskowiten selbst hatten in ihrer Vertragsurkunde mit Now-gorod vom Jahre 1348 festgesetzt: »Pskow soll gelten und genannt werdenNowgorod gleich, aber nicht von ihm abhängig, nur seindes