188 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjübrigen Kriege etc.
Vaterlandes, auf dem Meere aber, an denniederländischen Küsten tratendie mächtigenimdfurchtbarenMeer-Geusen (Gueux deiner] auf, welche,ursprünglich Seeräuber, dann aber die eifrigsten, kühnsten und zuver-lässigsten Vertheidiger der Freiheit der Niederlande geworden waren.Eine Menge der vornehmsten niederländischen Exilirten und Flüchtlingesuchten bei ihnen Zuflucht und Rettung. Im Jahre 1572 stand an ihrerSpitze Wilhelm von der Mark, Graf von Lumey, der unversöhnlichsteFeind der Spanier, welcher ihnen für den Tod seiner Freunde Egmontund H o o r n Rache geschworen hatte. Am 1. April 1572 landeten dieMeer-Geusen heimlich an der Insel Voorne, bemächtigten sich zuerst derkleinen und dürftig befestigten Stadt Brielle, dann der Stadt Heeniitt,(Hellvoetsluis), endlich der ganzen Insel Voorne. Binnen kurzer Zeithatten sämmtliche Städte Zeelands, mit Ausnahme von Middelburg. inwelchem eine starke spanische Besatzung lag . die Spanier verjagt undsich mit den Meer-Geusen vereinigt. Dem Beispiele der zeeländischenStädte folgten eine nach der andern auch alle Städte von Nord- und Süd-Holland, mit Ausnahme von Amsterdam, das gleich Middelburg einestarke spanische Garnison hatte.
Unter diesen Umständen entschloss sich der Prinz von Oranien,welchem aufs Neue von allen Seiten Soldaten zuströmten, zu einem aber-maligen Eindringen in die Niederlande von 3 Seiten her. Ludwig vonNassau rückte im Mai in Süd-Brabant ein, um sich mit den dorthin mar-schirenden Hugenotten unter Genlis'Befehl zu vereinigen, und nahmbald Bergen (Mons). Der Graf Berg drang in Ober-Yssel ein, nahmZütphen, Herichem und andere Städte und schloss die spanischen Be-satzungen ein. Der Prinz von Oranien selbst zog mit 20 000 Manndurch die Stadt Geldern nach Roermond. erstürmte es, drang in Nord-Brabant ein und unterwarf daselbst Tondern, Mecheln, St. Trond, Tirle-mont, Löwen und viele andere Städte. Kaum 3 Monate waren seit derWegnahme von Brielle vergangen, und schon standen etwa SO Städteoffen gegen die Spanier auf, und eine Menge andere warteten nur aufeine günstige Gelegenheit, um ihrem Beispiele zu folgen. Der HerzogAlba, welcher anfänglich der Wegnahme von Brielle und dem Aufstandeder Städte von Zeeland keine Bedeutung beigemessen hatte, überzeugtesich endlich von der Nothwendigkeit kräftiger und energischer Maass-regeln. Er wandte sich mit seiner ganzen Macht nach Süden gegen Ber-gen (Mons), ein grosser Fehler, welcher für die Spanier verhängnissvolleFolgen hatte, für die Niederländer ausserordentlich günstig war. AberHerzog Alba sah die grösste Gefahr von der französischen Grenze her,wegen der zweifelhaften Beziehungen zwischen Frankreich und Spanien;zudem hatte er befohlen, dass in Antwerpen und Bergen-op-Zoom grosseKriegsvorbereitungen getroffen würden, und hoffte Bergen rasch zu neh-