166 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreißigjährigen Kriege etc.
von Bourbon, an dessen Stelle nun Prinz Philibert von Oranientrat.. Im Juli rückten 32000 Mann französische Truppen unter Lautrecin Italien ein und gingen, nach Ueberlassung eines Theiles derselben anden Herzog von Mailand, nach Koni, um den Papst zu befreien. DiesenUmstand benutzend, gelang es dem Papste aus der Gefangenschaft nachOrvieto zu entkommen; die Truppen KaiTs V. zogen sich aus Rom indas Königreich Neapel zurück, von den Franzosen verfolgt. Fast alleneapolitanischen Städte, welche von kaiserlichen Truppen besetzt waren,wurden unterworfen oder ergaben sich freiwillig. Neapel allein bliebübrig und wurde zuerst zu Lande, dann auch zur See eingeschlossen.
(1528). Aber das Glück verliess die Franzosen abermals: Hunger,Seuchen oder Desertion verminderten ihre Zahl erheblich; Lautrecstarb ; A n d r e a s D o r i a, Doge von Genua, sagte sich von den Fran-zosen los und schloss mit Karl V. Frieden. In Folge dessen waren dieFranzosen, obgleich ihre Schiffe im Verein mit den venetianisehen diespanische Flotte im Golf von Neapel schlugen, genöthigt die Blokadevon Neapel aufzuheben, zunächst auf der Seeseite, dann auch zu Lande,und nach Averso abzuziehen. Hier von den verfolgenden TruppenKarl's V. eingeschlossen, capitulirte der an Lautrec's Stelle getreteneMarquis Saluzzo mit Waffen und Artillerie, Munition und Vorräthen.Bald darauf traf Graf Saint Paul aus Frankreich mit einem neuenCorps französischer Truppen im Herzogthum Mailand ein, nahm vieleStädte, schloss Mailand ein, wendete sich dann aber gegen das vonAndreas Doria eingenommene Genua, um dies zurück zu erobern.Die in Mailand befindlichen kaiserlichen Truppen folgten ihm und nah-men ihn in dem für sie siegreichen Treffen bei Landriano gefangen. DieTrümmer seines Heeres zerstreuten sich, und Italien war abermals vonden Franzosen gesäubert. Der am 5. August 1529 zu Cambray unter-zeichnete Friede beendete den Krieg: Franz I. entsagte seinen Rechtenauf das Herzogthum-Mailand, Flandern und Artois, und Karl V. be-hauptete sein Recht auf Burgund.
§. 136.
3. Krieg Franz' I. mit Karl V. (1535—38).
Die auf Befehl des Herzogs von Mailand und Karl V. zu Gefallenerfolgte Ermordung des französischen Gesandten M er vi 11 e in Mailandführte 1535 zur Erneuerung des Krieges. Die Abwesenheit Karl's V.,welcher nach Afrika gegangen war, um Tunis zu unterwerfen, begün-stigte die Eröffnung des Krieges durch Franzi. Im dem Augenblicke,wo Franzi, in Italien einrücken wollte, versagte der Herzog von Sa-