164 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
zuwarten. Inzwischen waren Papst Hadrian und Pr o s p e r C o 1 o n nagestorben: an Stelle des Ersteren trat der Cardinal Medici unter demNamen Clemens VII., an Stelle des Letzteren — Lannoy, der Vice-könig von Neapel. Zur selben Zeit trafen der Herzog von Mailand, Mar-quis Pescara und Karl von Bourbon bei der verbündeten Armeeein. Aber es kam bald zwischen den 4 Hauptanführern der verbündetenTruppen zu Misshelligkeiten, von welchen Bonnivet jedoch keinenNutzen zu ziehen verstand.
Im Jahre 1524 gingen die Verbündeten über den Tessino, schnittendie französische Armee von Piemont, Frankreich und dem Lande aufdem rechten Tessino-Ufer ab, von wo sie ihren Unterhalt bezog, wicheneinem Kampfe mit ihr aus, um sie durch Hunger zur Uebergabe zu zwin-gen, und verhinderten den Zuzug von 6000 Graubündnern, welche aufLodi marschirten, und von 6000 Schweizern, die über Ivrea an die Sesiazogen: beide Heerhaufen kehrten nach Graubünden und in die Schweizzurück. Um das Elend voll zu machen, brach bei den französischenTruppen eine Seuche aus. Endlich hatte sich Bonnivet zum Abzügeaus Italien entschlossen und marschirte, von allen Seiten durch die ver-bündete Armee stark gedrängt, zur oberen Sesia. Zwischen Romagnanound Catinara gelang es ihm, den Uebergang über die Sesia zu erzwingen,aber mit grossem Verluste (dieser Uebergang wird von einigen Schrift-stellern fälschlich die Schlacht bei Biagracco oder Rebeca genannt).Die in der französischen Armee befindlichen Schweizer zogen ab nachder Schweiz, die ihnen anvertraute Artillerie in Stich lassend, welchenun ganz in die Hände der Verbündeten gerieth. Die Ueberbleibsel desfranzösischen Heeres zogen über den Pass von Susa in die Dauphine zu-rück ; die Verbündeten legten dem kein Hinderniss in den Weg und be-mächtigten sich, nachdem sich ihnen Lodi, Alexandria und die Citadellevon Cremona ergeben hatte, des ganzen mailändischen Herzogthums.Kurz darauf rückten Truppen KaiTs V. in die Provence ein und bela-gerten Marseille, aber die hartnäckige Vertheidiguug dieser Stadt, derMangel an Lebensmitteln und das Herannahen französischer Truppennöthigten sie schliesslich die Belagerung von Marseille aufzuheben undnach Italien zurück zu gehen. Die französische Armee folgte ihnen,brachte der Arrieregarde eine Niederlage bei und besetzte Mailand ohneWiderstand. Lannoy zog sich zuerst auf Lodi, dann an den Oglio zu-rück. Nach längerem Schwanken, ob Lodi oder Pavia zu belagern sei,entschloss Franz I. sich auf den Kath von Bonnivet zur Belagerungvon Pavia. Zuerst wurde diese Belagerung mit Erfolg geführt, dannaber sehr langsam , aus Mangel an Geld und Verpflegungsmitteln, derübrigens auch bei den Belagerten sich sehr fühlbar machte. Die verbün-dete Armee war zum Entsatz von Pavia nicht stark genug. Nachdem