Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 155
Die Spanier operirten übereinstimmender und geschickter, verbandenEntschlossenheit mit List und Behutsamkeit, während die Franzosen vielKühnheit und Tapferkeit, aber wenig Kunst entwickelten, und die Ge-walt war in ihrem Heere auf mehrere Befehlshaber vertheilt, welche inbeständiger Zwietracht lebten. Deshalb war der Erfolg von Anbeginnauf Seiten der Spanier. Der Krieg bestand aus gesonderten vereinzeltenUnternehmungen, ohne Einheit und Zusammenhang, und aus unaufhör-lichen Belagerungen. Das wichtigste Ereigniss war die von den Franzo-sen ausgeführte Erschliessung von Barletti und darin Oonsalvo's mitden spanischen Hauptkräften. Diese Einschliessung dauerte sehr langeund endlich wurden die Franzosen. deren Zahl erheblich zusammenge-schmolzen war, während die Spanier durch eintreffende Verstärkungensich vermehrten, zweimal geschlagen, bei Gioja oder Seminara, und beiCerignola (1503) und von Gonsalvo in Gaeta belagert, nachdem dieserNeapel genommen und sich fast das ganze Königreich Neapel unterworfenhatte. Bald aber rückte eine zweite französische Armee daselbst ein, undzog zum Garigliano, wurde hier aber durch Gonsalvo aufgehalten undgezwungen unter Verlust nach Gaeta zurückzukehren. Der Mangel anLebensmitteln zwang schliesslich die Franzosen Gaeta aufzugeben gegenCapitulation und den Rückzug nach Frankreich anzutreten. In 3 oder 4Festungen Apuliens blieben noch kleine französische Besatzungen zurück.Der sie befehligende Ludwig D'Ars behauptete sich lange und hart-näckig gegen die Spanier, endlich, nachdem er den Befehl erhalten hatteeine Capitulation mit ihnen abzuschliessen, führte er statt dessen in Ord-nung und Disziplin den Rückzug durch das Königreich Neapel und durchganz Italien aus.
§. 132.
Kriege in Italien von 1509—14.
Im Jahre 1508 bildeten der Papst Julius, Kaiser Maximilianl.und Ferdinand der Katholische einen Bund (die ligue von Cam-bray) gegen die Republik Venedig. Letztere hatte 22000 Reiter, 30000Mann Fussvolk nebst einer zahlreichen Artillerie gesammelt und vertrauteden Oberbefehl 2 Feldherren an, welche vollkommen entgegengesetzteCharakterewaren, nämlich dem vorsichtigen P e t i g 1 i a n o und dem feu-rigen Alviano, mit dem Auftrage eine feste Stellung an den Grenzender Republik einzunehmen, da wo man den Anmarsch des Feindes ambesten erwarten könne, und einen Defensivkrieg zu führen, also nie einenKampf anzunehmen, ausser bei Gewissheit des Sieges. In Folge dessenstellte die veuetianische Armee sich (1509; in der stark befestigten Posi-