Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 153
Karl VIII. aber kehrte unter Zurücklassung des Heeres in Asti nachFrankreich zurück.
Traurig war das Loos der von Karl VIII. in Neapel ohne irgendwelche Unterstützung und Verbindung mit Frankreich zurück- und ihremSchicksal überlassenen Truppen. Lange, muthig und tapfer vertheidigtensich Montpensier und D'Aubigny, deren Handvoll Leute mehr undmehr zusammenschmolz, gegenüber den an Zahl überlegenen neapolita-nischen, sicilianischen und spanischen Truppen, welche von Ferdinandund Gonsalvo von Cordova angeführt wurden und dem französischenVolke ausserordentlich feindlich gesinnt waren. Endlich waren sie imi. J. 1496 genöthigt der Gewalt zu weichen: aus Neapel wie aus allenStädten und Festungen gedrängt, geschwächt, erschöpft, aller Hülfs-mittel beraubt, sollten sie, nur noch ein unansehnlicher Haufe, zu Schiffenach Frankreich transportirt werden. Ihre Abfahrt aber wurde unterverschiedenen Vorwänden verzögert, und fast alle kamen sie durch Hun-ger und Noth um.
Im Jahre 1497 begann Karl VIII. von Neuem zum Zuge nach Italienzu rüsten. Doch kam dieser Feldzug aus verschiedenen Ursachen nichtzu Stande, und die Franzosen verloren alle von ihnen im nördlichenItalien eroberten Städte. 1498 starb Karl VHI. und den französischenThron bestieg der Herzog von Orleans unter dem Namen Ludwig XII.
»Das war« — sagt der Jesuit Pore Daniel — »das Resultat des Krie-ges in Italien, welcher sehr unbesonnen unternommen, mit erstaunlichemGlücke geführt, mit ausserordentlicher Tapferkeit seitens der Truppendurchgekämpft, aber mit sehr wenig Kunst seitens der Oberfeldherrengeleitet wurde, und der, leichtsinnig vom Könige wieder aufgegeben,durch den Verrath derer verdorben wurde, welche dazu gerathen hatten.«
§. 130.
Erster Eeldzug Ludwig's XII. in Italien und Eroberung des Herzog-thums Mailand durch ihn (1499—1500).
Die erste That Ludwig's XII., nachdem er den Thron bestiegen,war eiu Feldzug in Italien, um das Herzogthum Mailand zu erobern, aufwelches er Erbansprüche hatte. Nachdem er sich durch Verträge mitEngland, dem Kaiser Maximilian L, den Niederlanden und der Repub-lik Venedig gesichert und ein Bündniss mit dem Papste, den schweizeri-schen Cantons und dem Herzog von Savoyen geschlossen hatte, setzte erim Juli 1499 ungefähr 23000 Mann (1680 Ritter oder im Ganzen 9600Mann zu Pferde, 5000 Mann schweizerisches und 8000 Mann französischesFussvolk) nebst 58 Geschützen unter dem Befehle des Grafen von Ligny,