Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 125
Berner in den Gebirgspass Les Verrieres auf dem Wege nach Pontarlieraufgehalten und gezwungen, den Uebergang über St. Pierre und Jougneszunehmen, von wo er aufOrbe und Lignerol weiter zog. 'Karl derKühne folgte ihm mit der Hauptmacht auf demselben Wege und langte,nachdem er 12 Tage mit dem Marsch über das Gebirge und der Concen-tration seiner Armee verloren hatte, vor Granson an, das er belagerte.Die schwache schweizerische Besatzung (1000 —1200 Mann) hielt sichtapfer, wurde aber endlich gezwungen zu capituliren, dann aber in wort-brüchiger Weise umgebracht. Während dessen hatten die Schweizersich bei Murten gesammelt: der strenge Befehl, den Burgundern keineSchlacht zu liefern, bevor nicht die eidgenössischen Contingente voll-kommen beisammen wären, Hess nicht zu, dass man den Fall von Gran-son und die Ermordung der Garnison hindern konnte. Sobald aber dieSchweizer sich in einer Stärke von 2000 Mann unter Führung des Schuld-heissen Nicolaus Scharnachthal gesammelt hatten, brachen sieüber Neufchätel nach Granson auf, um Karl dem Kühnen eineSchlacht zu liefern, trotzdem sie nur halb so stark waren. Auf dem hal-ben Wege stiessen beide Heere auf einander, und in der sich hier ent-spinnenden Schlacht (3. März 1476) schlug die schweizerische Infanterienicht allein alle Angriffe der burgundischen Reiterei ab, sondern griffsie selbst an und drängte sie zurück; warf sich dann auf die zahlreicheburgundische Artillerie, und bemächtigte sich derselben sowie des ge-sammten burgundischen Lagers, einer ungeheuren Menge von Feuer-und blanken Waffen u. s. w. Die Niederlage der Burgunder war ganzund vollkommen und hatte zur Folge, dass Sicilien, Savoyen und Mailandvon dem Bündniss mit Karl dem Kühnen abfielen. Aber 8 Tagespäter hatte dieser Letztere schon bei Nozeroy ein neues Heer von68000 Mann beisammen, rückte gegen Murten und belagerte diese Stadt.Während die Besatzung sich tapfer zur Wehre setzte, sammelten sich30000 Mann schweizerisches Fussvolk (von denen 4000 Mann mit Spie-ssen, 16000 Mann mit Hellebarden, Aexten und Schlachtschwertern, und10000 Mann mit Arkebusen und Armbrüsten bewaffnet waren) und 4000Mann Reiterei, grösstentheils Oesterreicher, Bewohner von Strassburg,aus den Rheinlanden, Tyrol u. s. w., im Ganzen 34000 Mann, beiUlmitz,zur Seite der aus Murten nach Bern und Aarberg führenden Strasse,zogen von da nach Murten, griffen den rechten Flügel des burgundischenHeeres an, schlugen erst diesen, dann das Centrum, und endlich mit derGarnison von Murten gemeinsam auch den linken Flügel. Die Burgunderverloren 16000 Todte, 10000 im See Ertrunkene, 200 Geschütze, ihr gan-zes Lager u. s. w. Die Sieger verfolgten die Fliehenden nicht, sondernentsendeten 12000 Mann, um Waadt, das Gebiet von Genfund Savoyenzu verwüsten, und kehrten in ihre Heimath zurück.