124 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjübrigen Kriege etc.
gundern. Dieser Krieg ist ausserordentlich interessant insofern, als dieSchweizer, durch einen so mächtigen und gefährlichen Gegner wie HerzogKarl der Kühne von Burgund bedroht, dennoch seinen Angriff abzu-wehren verstanden und zweimal das mehr als dreifach überlegene undausgezeichnet organisirte Heer aufs Haupt schlugen, welches er zur Unter-werfung der Schweiz ausrücken Hess. Hierbei wirkten ausser den Ur-sachen für die Erfolge der Schweizer in den Kriegen gegen Oesterreichnoch die unklugen, unvorsichtigen und fehlerhaften Dispositionen Karl'sdes Kühnen mit, ferner die jetzt entwickelte und vervollkommneteKriegsorganisation der Schweizer, besonders ihres Fussvolks, und end-lich die Kriegserfahrung und das Selbstvertrauen, welche die Schweizerin den fortgesetzten glücklichen Kriegen mit Oesterreich erlangt hatten.Was den Krieg selbst anbetrifft, so beschränkte er sich auf die erfolg-reichen Kriegsaktionen der Schweizer in Oberburgnnd, Waadt und Wallisin den Jahren 1474—75, während Karl der Kühne sich dazu rüstete,den Krieg in die Schweiz zu tragen, — auf ihren zweimaligen Sieg überihn, 1476, in den Schlachten bei Granson und Murten, bei seinem erstenEinrücken in die Schweiz, und endlich im Jahre 1477 auf die Kriegs-begebenheiten im Herzogthum Lothringen, wo bei der Belagerung vonNancy Karl der Kühne abermals von den vereinten Schweizern undLothringern besiegt wurde und selbst das Leben einbüsste. Auf dieseWeise ward der Krieg entschieden durch einen dreimaligen Kampf undNiederlage Karl's des Kühnen.
Im Speziellen gestalteten sich die Kriegsereignisse folgendermaassen:Im November 1474 belagerten 14 000 Mann Schweizer und schwä-bische Ritter Hericourt in der Grafschaft Burgund, ohne die Belagerungauf zu heben zogen sie den zum Entsatz Hericourt's von Besancon heran-ziehenden 5000 Mann burgundischcn Truppen entgegen, schlugen sie undzwangen Hericourt zur Uebergabe. Im Jahre 1475 führten die Schweizereinige glückliche Unternehmungen gegen Oberburgund aus, bemächtigtensich der Städte Pontarlier, Orbe, Granson, Blamont und einiger festenBurgen, auf der andern Seite nahmen sie Moudon, die Hauptstadt vonWaadt, einige Städte und Burgen in letzterem Canton, die Bewohner vonWallis aber schlugen die an Zahl überlegenen Truppen des Herzogs vonSavoyen, welcher mit Karl dem Kühnen verbündet war, und be-mächtigten sich des Landes bis zum Genfer See und zum St. Bernhard.
Endlich i. J. I47G hatte Karl der Kühne seine Kriegsrüstungenbeendigt, und brach mit 70000 Mann von Nancy nach Vesoul und Besan-gon über den Doubs-Fluss auf, in der Absicht, das Juragebirge zu über-schreiten, in Waadt sich mit den Hülfstruppen von Savoyen und Mailandzu vereinigen und in die Schweiz einzudringen. Graf Chäteauguyon,welcher die 12000-Mann starke Avantgarde führte, wurde durch die