Die bemerkenswertesten Kriege und Feldziige dieser Periode. 109
über die andern war. |Zu [diesen (Kriegen gehörte der hundertjährigezwischen Engländern'und Franzosen um die Erbfolge auf dem französi-schen Thron. dieJKriege der Schweizer gegenjOesterreich und Burgundum die Unabhängigkeit der Schweizer, die Kriege Frankreichs mit Spa-nien und Oesterreich um den Besitz von Italien und" den politischen Vor-rang, die durch die Reformation erzeugten Kriege, welche in politischerund staatlicher Hinsicht so grosse Wichtigkeit besassen, und endlich auchder Krieg der Niederlande gegen Spanien um die Unabhängigkeit derniederländischen vereinigten Staaten.
Auch die Kreuzziige hatten in einiger Hinsicht einen entfernten undweniger sichtbaren Einfluss auf die Kriegführung in West-Europa. Schonzur Zeit der Kreuzzüge selbst, wie früher schon bemerkt wurde, machtedie Art der Kriegführung der Sarazenen in Syrien und Aegypten gegendie Kreuzfahrer ihren Einfluss geltend auf das Verhalten der Letzterenund dann auch auf die Kriegführung in ganz Europa. Im Laufe der Zeitnahm diese Einwirkung noch zu: man neigte sich zum kleinen Kriege,vermied Schlachten, begann zu verzögern, hin zu halten, nahm zu Aktio-nen der leichten Cavallerie ixnd zu Kriegslisten seine Zuflucht u. s. w.
Zu dieser theilweisen Veränderung der Art der Kriegführung ge-sellte sich seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts auch eine andre, welchedie natürliche Folge davon war, dass stehende und regelmässig organi-sirte Truppen die Kriege führten.
Trotzdem aber behielt der Krieg in vieler Hinsicht noch sein altesGepräge der Kegellosigkeit und Unvollkommenheit. Die neue Kriegs-verfassung hatte zwar grosse Vorzüge gegen die feudale, aber vorzugs-weise auf Miethung und Werbung sich gründend genügte sie noch nichtden Anforderungen der Vollkommenheit und den wahren staatlichenInteressen, und entsprach nicht dem Zwecke und der Wichtigkeit desKrieges. In der Führung des Krieges herrschte noch immer wenig Regel-mässigkeit und Gründlichkeit. Die Kriege, unvermeidlich mit erheb-lichen Unordnungen und grausamer Plünderung und Verwüstung desLandes verknüpft, gleichen noch wenig den Operationen wohlorganisirterArmeen, bestehen aus Bewegungen und Aktionen ohne allgemeinen Zu-sammenhang und Uebereinstimmung, sind durch langwierige und häufigeBelagerungen unterbrochen und weisen nur seltene, aber blutige ent-scheidende Schlachten nach.
Im Allgemeinen muss man sagen: 1) dass die Feuerwaffen, welcheseit Mitte des Jahrhunderts einen so bedeutenden Einfluss auf die taktischeOrganisation und Kampfweise der Truppen ausübten, auf die Art derKriegführung dagegen noch ganz ohne Einfluss sind; 2) dass vielmehrdie Art der Kriegführung und der Charakter der Kriege noch dieselbenbleiben wie vorher, und endlich 3) dass, wenngleich einige Feldherren