100 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Der Gebrauch des Pulvers und Feuergewehrs war in Böhmen schonin der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bekannt, aber wie überall an-fänglich nur bei Belagerung und Vertheidigung von Städten. In derSchlacht aber bei Horzitz (1423) hatte und verwendete Ziska schonFeuerwaffen, und seit jener Zeit werden sie auch in den Feldschlachtender Hussiten gebraucht. Auch in Böhmen verstand man, wie überall Tunter der allgemeinen Bezeichnung puska anfänglich schwere Geschützeund Handgewehre, nur dass man erstere welika puska (grosses, odergrobes Geschütz) nannte. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts erhielten diegrossen Geschütze für sich besondere Benennungen, später wurden sieallgemein dela (bei den Polen dzialo) genannt und nach Grösse, Formund Bestimmung mit entsprechenden Namen belegt. In der Schlacht beiAussig (1426) hatten die Czechen 2 Arten Geschütze, die auch bei denDeutschen bekannt waren: haufnice (Haubitzen) und tarasnice(Festungsgeschütze) und zur selben Zeit kamen auch die pistaly oderlange und dünne Gewehre (später Handgewehr) in Gebrauch. Zu Anfangdes 16. Jahrhunderts traten noch 2 Arten leichterer Gewehre hinzu, —die harcownice und srubnice und die ruenice. Im Jahre 1513gössen die Einwohner von Prag einen Mörser, bald nachher erschienenauch Kartaunen oder Karonaden. Seit Zi ska's Zeit wurden die Feuer-waffen auf Pferden, zu Paaren mit Gestellen, fortgeschafft.
Nachdem Böhmen unter die Macht des Habsburg-österreichischenHauses getreten war, wurden die czechische Artillerie- und Handfeuer-waffen, wie überhaupt die ganze Heerverfassung und Kriegswesen inBöhmen allmählich ihres früheren czechischen Charakters entkleidet undnahmen den allgemeinen deutschen an. Seit dem Jahre 1546 wird dieczechische Artillerie in Feld- und Belagerungs-Artillerie getheilt (polnj aborici dela).
§. 114.
In "Ungarn.
Kriegsverfassung und Heerwesen waren bis zur Zeit Sigismund's,Kaisers von Deutschland und Königs von Ungarn aus dem Hause Luxem-burg (1410—37) auf demselben Standpunkt geblieben, wie er (IL TheilKapitel 8, §. 65) dargelegt wurde. Sigismund, stets bedrängt durch dieHussiten aus Böhmen und Mähren, und die Türken und Venetianer ausBosnien und Kroatien, beschloss gegen das Ende seiner Regierung dieKriegsorganisation von Ungarn umzuformen, deren Mängeln er die erlit-tenen Niederlagen seiner Waffen zuschrieb. Zu diesem Zwecke theilteer den Prälaten, Baronen und Gespanschaften (Grafschaften oder Bezir-