3 5. Kriege der Römer zur Zeit der inneren Unruhen (133—30 v. Chr.). 355
mitgerechnet, war Mithridates' Armee). wich Lucullus sorgsam dem un-gleichen Kampfe aus und ging nicht aus seinem Lager, in welchem ereine hinreichende Menge von Lebensmitteln für den Unterhalt seinerkleinen Armee zusammengebracht hatte. Seine Voraussicht erfüllte sichvollkommen: nach wenigen Tagen schon zwang der Hunger Mithridatesden Eückzug anzutreten. Durch einen heimlichen Nachtmarsch entfernteer sich von Lucullus und belagerte dann gegen Ende des Jahres 74 zuLande und zur See die reiche, grosse und sehr wichtige Stadt Cyzicusauf einer Insel der Propontis, welche durch zwei Brücken mit dem Fest-lande zusammenhing und für einen der Schlüssel Asiens galt. Nachdemer sein Heer in zehn Lagern rund um die Stadt aufgestellt hatte, über-trug Mithridates die Führung der Belagerung dem geschickten und zudamaliger Zeit berühmten griechischen Poliorceten Nikomedes, einemgeborenen Thessalier. Nikomedes wendete alle damals bekannten Be-lagerungsmittel und Künste an, um Cyzicus durch eine regelrechte Be-lagerung einzunehmen, construirte auf dem Lande und den Schiffen alleArten von Belagerungsmaschinen und Geschützen und nahm, als siedurch einen Orkan zerstört worden waren, zu Minen und unterirdischerKriegführung seine Zuflucht. Aber alle seine Anstrengungen und Künstewaren umsonst: das G-lück begünstigte entschieden den Mithridates nichtmehr. Die Einwohner von Cyzicus vertheidigten sich ebenso geschicktals tapfer und hartnäckig, und Lucullus schlug sein Lager auf einer An-höhe Angesichts der Stadt und des Mithridates so auf, dass er leicht undbequem die Zufuhren zu Lande abschneiden konnte, während er selbstvor einem Angriff desselben ganz gesichert war. Die Folge davon war,dass die grosse Truppenzahl Mithridates' diesem nicht nur zu keinemNutzen, sondern sogar zum äussersten Schaden gereichte. In seinemHeere brach bald der Hunger gewaltig aus, ausserdem litt es sehr vonSchnee und Kälte, denn es war schon Winterszeit. Um dieser Noth ab-zuhelfen, schickte Mithridates, ohne die Belagerung aufzuheben, seineganze Cavallerie nebst allem Lastvieh'und dem am meisten gelittenhabenden Theile des Fussvolkes nach Bithynien. Lucullus aber verfolgtesie mit seiner Keiterei und 10 Cohorten Fussvolk, holte sie ein undmachte sie zum Theil nieder oder nahm sie nebst ungeheurer Beute ge-fangen, theils zersprengte er sie. Mithridates setzte indessen die Be-lagerung noch fort. Als aber die Winterstürme ihm die Zufuhr vomMeere her abschnitten, da stieg der Hunger in seinem Heere aufs Höchsteund zwang ihn endlich (Anfang des Jahres 73), die Belagerung auf-zuheben und persönlich mit der Flotte sich naeh der Stadt Parium zubegeben, während er den Rest seines Landheeres, ungefähr noch 30,000Mann, zu Lande nach Lampsakus dirigirte. Hierbei wurde die Auf-hebung der Belagerung von Cyzicus und der Rückzug von dort so über-
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