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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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354 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

man bei Entsendung- der Consuln gegen Mithridates weder von ihm nochvon Cotta besonders viel und fürchtete, dass Beide einem solchen Feindekeineswegs gewachsen sein j würden. In Bezug auf Cotta erwies sichdiese Besorgniss auch als vollkommen begründet, aber hinsichtlich Lu-cull's hatte man sich ausserordentlich getäuscht.

Lucullus nahm aus Hispanien nur eine Legion mit sich, zu welcherer die vier in Kleinasien befindlichen Legionen heranzog; dies ergab zu-sammen 30,000 Mann Fussvolk und 1600 Mann Cavallerie. Von den vierasiatischen Legionen bestanden jdie zwei früher Fimbrischen aus alten,erfahrenen und tapferen, aber ausserordentlich frechen und eigenmäch-tigen Soldaten. Lucullus nahm sie von vornherein in strengste Manns-zucht ; bei alledem aber verursachten sie ihm im Laufe des Krieges nichtwenig Sorge, Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten.

Indem Lucullus der Habgier und den wucherischen Erpressungender römischen Steuereinnehmer und Wucherer ein Ende setzte, welcheKleinasien in furchtbarster Weise aussogen, gewann er sich die Dank-barkeit der Einwohner, durch seine Milde, Gerechtigkeit und Güte ihreZuneigung, und nachdem er das Land, welches bereits anfing, sich aufdes Mithridates Seite zu neigen, wieder beruhigt hatte, konnte er sichnun frei und unbesorgt nach Bithynien begeben. Hier wollte aber Cottaden Mithridates allein besiegen, wurde jedoch statt dessen von ihm an einund demselben Tage zu Wasser und zu Lande bei Chalcedon mit einemVerluste von 4000 Mann und mehr als 60 Schiffen geschlagen und warfsich nach Chalcedon, wo er von Mithridates eingeschlossen wurde. Viele,darunter auch Archelaus, riethen dem Lucullus und suchten ihn zu über-reden, dass er nicht nach Bithynien, sondern in das (ihrer Meinung nach)unbeschützte Pontus rücken solle, indem sie ihm vorstellten, dass beiseinem blossen Erscheinen in dieser Provinz während Mithridates' Ab-wesenheit sich Alles sofort den Römern unterwerfen werde. Lucullusaber erwiderte, dass er lieber einen einzigen römischenBürger aus der Gefahr retten, als alle Besitzungen desMithridates erobern wolle. Uebrigens waren dieselben gar nichtunbeschützt, denn Mithridates hatte den Diophantes mit einem Theil derStreitmacht in Pontus zurückgelassen.

Der Marsch Lucull's nach Bithynien veranlasste Mithridates zur Auf-hebung der Einschliessung von Chalcedon, um mit seiner ganzen Machtsich gegen Lucullus zu wenden. In Phrygien stiess er auf ihn, suchteaber vergebens, ihn zum Kampfe zu zwingen, wagte es jedoch auch nicht,ihn in seinem eigenen Lager anzugreifen. In der Ueberzeugung, dassMithridates, wenn er der römischen Armee gegenüber unbeweglich stehenblieb, seine 300,000 Mann nicht lange werde ernähren können (so starketwa, alle nicht in Reihe und Glied Stehenden und Nichtcombattanten