34. Kriege der Kölner zur Zeit der inneren Unruhen (133—30 v. Chr.). 339
§. 236.
Des Sertorius Unternehmungen in den Jahren 74—73. Seine Er-mordung. Seine Eigenschaften und Verdienste als Feldherr.
Die Operationen des Sertorius im Jahre 75 waren die letzten glän-zenden Kriegsthaten seines Lebens. Obgleich er noch zwei Jahre langin Hispanien den Krieg weiter führte, so sind doch seine Unternehmun-gen in denselben nicht mehr so bedeutend als vordem. Seine Streitkräfteverringerten sich fortwährend in Folge der häufigen Verräthereien undseiner Strenge bei deren Bestrafung und Unterdrückung. Der Geist derMeuterei und Empörung, welchen der ehrlose verächtliche Perperna un-ter die Sertorius umgebenden Römer und seine römischen Soldaten ge-säet hatte und nährte, nöthigte den Sertorius, mehr den Hispaniern alsden Römern Vertrauen zu schenken, was wiederum die Unzufriedenheitder Letzteren und den Hass zwischen Römern und Hispaniern stei-gerte. Viele Anschläge auf Sertorius' Leben wurden entdeckt, machtenihn argwöhnisch, verbitterten seinen Charakter, der bis dahin so freund-lich und wohlwollend gewesen war, und veranlassten ihn, mit ausser-ordentlicher Strenge aufzutreten. Mit jedem Tage wuchs die Zahl seinerFeinde, nicht allein bei den Römern, sondern auch bei den Hispaniern.Endlich hatte ein von Perperna angestiftetes Complott die Ermordungdes unerschrockenen Sertorius zur Folge (im Jahre 73), nachdem er achtJahre lang mit grösstem Geschick und Erfolge, mit Ehre und Ruhm gegendie beiden besten römischen Feldherren seiner Zeit gekämpft und ihnenhäufige Niederlagen bereitet hatte; er fiel unbesiegt, ein Opfer der Feig-heit und des Verrathes. Er war in Wahrheit ein grosser Mann undgrosser Feldherr, von Verweichlichung und Furcht gleich fern, massvollim Glück, fest im Unglück, ungewöhnlich kühn in seinen Entwürfen,geschickt in seinen Operationen im freien Felde wie in Kriegslisten, inder Ausnutzung des Terrains wie in der Schnelligkeit und Geheimhaltungseiner Bewegungen, in der Führung des kleinen Krieges wie in plötz-lichen Ueberfällen und im Legen von Verstecken. In dieser Beziehungwar er ein zweiter Hannibal, und die Hispänier, in deren Andenken derRuhm des grossen karthagischen Feldherren noch fortlebte, rühmten undpriesen den Sertorius, indem sie ihm gewöhnlich diesen ehrenden Namenbeilegten. Er verstand es vortrefflich, die Geister der Hispauier undseiner Truppen zu leiten, indem er kriegerische Dienste und Auszeich-nung freigebigst belohnte und milde und theilnehmend auch bei Be-strafung von Vergehen blieb. Von Natur mit einem festen, starken undgewandten Körper ausgerüstet, und ein einfaches, massiges und thätigesLeben führend, war er zur Ertragung der grössten Beschwerden, der
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