332 IH. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
§. 233.Sulla als Feldherr.
Beim Beginn des Jahres 79 legte Sulla freiwillig seine Dictatorwürdenieder, zu Anfang des Jahres 78 starb er in ländlicher Zurtickgezogen-heit bei Cumä an einer ekelhaften Krankheit. Von Charakter ein Scheu-sal, war er übrigens ein ebenso geschickter Feldherr, als schlauer Poli-tiker und bedeutender Staatsmann. Alle seine Thaten waren stets aufreifliche Ueberlegung und richtige Beurtheilung begründet, die politi-schen wie die kriegerischen, und wurden mit Beharrlichkeit, Festig-keit, Energie und Ueberzeugung vom Erfolge durch ihn zur Ausführunggebracht. In dieser Beziehung stand er höher als Marius, der immer undin Allem vorzugsweise auf den Antrieb seiner stürmischen und veränder-lichen Leidenschaften handelte. Thätig und unermüdlich, listig und be-hutsam, unerschrocken und kühn, vereinte, nach Carbo's Ausspruch,Sulla die Eigenschaften eines Fuchses und eines Löwen,war aber noch gefährlicher durch seine List, als durch seine Kühnheit.Er verstand es ausgezeichnet, seine Absichten geheim zu halten, den Er-folg seiner Thaten vorzubereiten, ihn durch einen heftigen unerwartetenSchlag zu entscheiden, und durch seine geschickten Thaten im Felde undauf dem Kampfplatz, durch Schmeichelei, Nachsicht, Bestechung oderUeberredung die feindlichen Feldherren oder ihre Heere auf seine Seitezu bringen, sich die Liebe, Anhänglichkeit und das Vertrauen der eige-nen Truppen zu gewinnen, dabei jedoch straffe militärische Subordinationund Disciplin unter ihnen zu bewahren und einen trefflichen militärischenGeist in ihnen lebendig zu erhalten. In allen seinen Feldschlachten do-cumentirte er als Taktiker, in seinen Belagerungen von Athen unddem Piräeus als Belagerer, in seiner Kriegführung in Griechenland,Kleinasien und besonders Italien als Feldherr sich im höchsten Grade be-fähigt und geschickt, und aus allen diesen Ursachen ist er würdig, unterdie Zahl der besten Heerführer des Alterthums gerechnet zu werden.
VI.Der Sertorianische Krieg (82—71).
§. 234.
Thaten des Sertorius und Metellus in Hispanien (82—77). Art und
Kunst der Kriegführung des Sertorius.
Bald nach seiner Ankunft in Hispanien (s. oben §. 229) gelang esSertorius, die Zuneigung und Anhänglichkeit des Volkes in vollem Maasse