34. Kriege der Körner zur Zeit der inneren Unruhen (133—30 v. Chr.). 329
Kräfte in Italien, so namentlich ausser vielen römischen Legionen eineArmee von 40,000 Lucaniern und Samniten, befehligt von den dreitapferen und berühmten Heerführern: Lamponius, Gutta und PontiusTelesinus, welche Sulla und Rom in nicht geringe Angst und Schreckenversetzten. Telesinus hatte nach einem vergeblichen Versuche, die vonSulla besetzten Bergpässe nach Präneste hin zu forciren, erfahren, dassPompejus in seinem Rücken heranrücke. Unternehmend und geschickt,gelang es ihm durch einen heimlichen Nachtmarsch dem Sulla und Pom-pejus zu entkommen, und er erschien nach raschem Zuge auf das gänz-lich unbeschützte Rom plötzlich ganz unerwartet, zum unbeschreib-lichsten Schreck der Einwohner, vor der Porta Collina seu Quirinalis.Indessen gelang es ihm nicht, sich Roms zu bemächtigen; eine Schaarauf Recognoscirung herausreitender junger Adliger Hessen sich mitTelesinus in ein leichtes Gefecht ein und während dessen vermochten dievon Sulla von Präneste herangeschickten 700 Mann Reiterei herbei zueilen, denen allmälig auch seine Hauptmacht folgte, welche nach kurzerRast sofort unter den Mauern Roms sich in den Kampf stürzte. Die hier-durch sich entspinnende Schlacht war sowohl um der Wichtigkeit desZieles willen, als durch die äusserste Erbitterung der Truppen auf beidenSeiten eine sehr hartnäckige. Crassus, der Sulla's rechten Flügel be-fehligte , warf des Telesinus linken Flügel zurück und schlug ihn voll-kommen , durch die Verfolgung aber fortgerissen, entfernte er sich sehrweit von Sulla. Seiner Mitwirkung beraubt und von Telesinus stark ge-drängt , hielt sich Sulla, der seinen linken Flügel persönlich comman-dirte, nur mit äusserster Mühe; nie im Leben hatte er sich in solcher Ge-fahr befunden. Vergeblich feuerte er seine Truppen an und sprach ihnenMuth ein : mit der Abnahme der Kräfte schwand auch die Ordnung, siemussten schliesslich zurückweichen, in Unordnung und mit Verlust,hörten aber auch bei sinkender Nacht nicht auf zu kämpfen. Nach Mitter-nacht aber begann sich der Erfolg auf ihre Seite zu neigen (es ist wegenMangels an Nachrichten unbekannt, aus welchen Ursachen) und beiTagesanbruch war die Armee des Telesinus theils niedergemacht, theilszersprengt, ihr Lager genommen, Telesinus selbst tödtlich verwundet (82).Dieser Sieg war der letzte und entscheidende Schlag, den dieMarianische Partei in Italien und mit ihr die Ueberreste des italischenBundes (welche sich im Bundesgenossen-Kriege gebildet hatten) durchSulla erhielt. Die Folgen waren der Fall von Präneste, die Proscrip-tion der Marianischen Partei, und ein furchtbares Morden in Rom undganz Italien*), sowie die zweijährige unbeschränkte Herrschaft Sulla's
*) Unter den auf die Proscriptionsliste Gesetzten befand sich auch der zukünftigeHeld, der 18jährige Julius Cäsar, Neffe der Frau des Marius (Vater) und Schwieger-sohn C'inna's. Er entkam zunächst durch Bestechungen, dann aber auf die Für-