2G8 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
permanenten Fortification, der Belagerungskunst und Ballistik derRömer.
Die Einrichtung der römischen Lager war noch die frühere, nurwurden die Verschanzungen derselben weit stärker und complicirter ge-macht. Man gab den Verschanzungen weit höhere und stärkere Profile,machte die Wälle höher und dicker, die Gräben, meist Wassergräben,breiter und tiefer, verstärkte die Verschanzungen durch Thürme mitSchiessscharten, bedeckten Gängen zwischen den Thürmen über demWall, einem starken Pallisadenzaun, Wolfsgruben, Verhauen u. s. w.Mit einem Wort, die Lager, besonders die ständigen, wurden allmäligvollkommen zu kleinen Festungen (Forts).
Die Feldbefestigung beschränkte sich übrigens nicht allein auf dieBefestigung der Lager, sondern fand auch bei der Verschanzung derKampfplätze eine bedeutende Anwendung. So führte Sulla gegen diepontischen Streitwagen einen starken Zaun auf mit Gräben in den Flan-ken zwischen der ersten und zweiten Linie, und Marius befestigte seineSchlachtstellung gegen die Teutonen auf der Halbinsel an der Mündungdes Rhodanus (Bhöne). Im Allgemeinen entsprach die Feldbefestigungmehr der römischen, als der griechischen Aufstellung und Kampfart derTruppen und war zu dieser Zeit weit höher bei den Römern als bei denGriechen entwickelt.
In Bezug auf Belagerungskunst wandten die Römer ausser den all-gemeiuen, früher schon beschriebenen Mitteln und Arten des Angriffesund der Verteidigung von Städten zu dieser Zeit noch die folgenden an:
Beim Sturm mit offener Gewalt gebrauchen sie nicht selten eine be-sondere, tolleno oder Kasten-Schwungbalken genannte Maschine:sie bestand in einem langen Balken, der in seiner Mitte auf einem Quer-balken befestigt war, welcher von zwei senkrechten Ständern getragenwurde. An dem einen Eude dieses Balkens befand sich ein grosser höl-zerner Kasten, in welchem Soldaten standen, an dem anderen Endewurden Seile befestigt, vermittelst deren der Kasten mit den Soldatenauf die Mauer emporgehoben wurde. Mit offener Gewalt bemächtigteman sich der Städte auch vermittelst der sogenannten Corona [urbem Co-rona oppugnare aut capere) oder Krone, d. h. rund um die Stadt wur-den zwei Linien Fussvolks und eine dritte von Cavallerie gestellt, undnun näherte man sich der Stadt, den Kreis allmälig verengend, undbrachte unter dem Schutze von Schildkrötendächern und durch leichtesFussvolk gedeckt, Leitern, Faschinen und dergl. heran. Gewöhnlichwurde der Sturm unter Schildkröten, aus Schilden gebildet, aus-geführt, und bisweilen mit bestem Erfolge. Auf diese Weise bemächtigtesich Antonius der Vorstädte von Cremona.
Bei der Einschliessung wurde die Stadt stets mit Contra- und Cir-