30. Kriege der Eömer nach dem zweiten punisohen Kriege (200—133 v. Chr.). 223
sehen Senates. Die Gewalt der Waffen vervollständigte nur, wasdurch die Politik schon geschickt vorbereitet war. Die Art und Kunstder römischen Kriegführung nimmt im Allgemeinen an Umfang undAusdehnung zu, erlangt eine grössere Entwickeluug, Bedeutung undWichtigkeit und zeigt bereits eine den Umständen angepasste Vereini-gimg von List und Kraft, von Behutsamkeit und Entschiedenheit.Stellende Regel war, gleich von Anfang an den Krieg in des Feindeseigenes Gebiet zu spielen und ihn mit einem gewaltigen und entscheiden-den Schlage zu beenden. Zu dem Ende rückten die römischen Armeenrasch und kühn direct in das Innere des feindlichen Landes oder demfeindlichen Heere entgegen und suchten dem Gegner eine Niederlagebeizubringen, entweder im Kampfe mit ihm oder durch irgend welchesandere Mittel, z. B. Theilung seiner Kräfte, Schwächung desselben,Isolirung, Einschliessung, Erzwingung der Uebergabe u. s. w. Die ge-wöhnliche grössere oder geringere numerische Schwäche der römischenArmeen und der zu ihnen gehörenden Bagage nebst Tross, ihre Gewohn-heit, jede Nacht in befestigten Lagern zuzubringen, kamen dieser Artvon Operationen der Römer sehr zu statten. Da sie ihren Unterhalt vor-zugsweise durch Fouragirungen und Requisitionen im Lande beschafften,mit Wenigem zufrieden waren, in den Vorräthen, welche die Soldatenmit sich trugen, für 10, 15 und mehr Tage ausreichende Lebensmittelhatten, durch ihre befestigten Lager im Rücken gedeckt waren und zu-gleich in denselben Stützpunkte für ihre Actionen und einen sicherenZufluchtsort im Fall eines Misslingens oder einer Niederlage besassen,so bedurften die Römer weder Festungen in ihrem Rücken, noch ge-sicherter Verbindungen zu solchen, und konnten daher überall und immerunter allen Verhältnissen und Lagen mit voller Freiheit und mit gleicherSchnelligkeit, Entschiedenheit und Kraft operiren. Ausserdem machtendie befestigten Lager in ihrem Rücken es ihnen ausserordentlich leicht,nach Belieben im Nothfall dem Kampfe mit dem Gegner auszuweichen,denn sie waren so stark verschanzt, dass ein Angriff auf dieselben oderdie Erstürmung derselben nicht nur schwierig, verwegen und gefahrvoll,sondern fast absolut unmöglich erschien. Wenn die Umstände ein Ver-meiden des Kampfes erheischten, so konnten die Römer, vorsichtig auseinem Lager in das andere ziehend unter gleichzeitiger thätiger Führungdes kleinen Krieges und die Fouragirungen des Feindes und Requisitionenim Lande störend oder gänzlich verhindernd allmälig ihn wegdrängenoder in die Enge treiben, ihn schwächen und ermüden und ihn schliess-lich zwingen, entweder einen ungleichen Kampf gegen überlegene Kräfteanzunehmen, oder das Feld zu räumen, oder sich in Städte einzuschliessen,oder sich zu unterwerfen. Die feindlichen Städte wurden meist durchSturm erobert, aber auch durch plötzlichen Ueberfall, List, Verrätherei