28. Der zweite punische Krieg (218—202). 193
selber durch seine dritte Linie würden umfasst werden können. Er wolltedaher mit seinen beiden ersten Linien das Centrum der römischen Liniedurchbrechen und dann mit Hülfe seiner dritten Linie ihre Niederlagevollenden noch bevor die dritte römische Linie der Triarier das Gefechtwieder herzustellen vermöchte. Für den Fall aber, dass seine beidenersten Linien besiegt würden, hoffte er bestimmt, dass dies nicht ohneUnordnung in den beiden vorderen Linien der Römer abgehen könne, vonwelcher er dann durch den Angriff mit seiner dritten Linie Nutzen ziehenwollte. Deshalb stellte er auch seine dritte Linie so weit von der zweitenab, damit die zurückgeworfene erste und zweite Linie sich frei nachrechts und links zurückziehen könnte.
Sobald die beiden Heere aufgestellt waren, liess Hannibal zuerst dieLinie seiner Elephanten vorgehen. Als aber die Eömer, wie immer beimBeginn des Kampfes, alle ihre Trompeten und Hörner ertönen Hessen,mit den Waffen an die Schilde schlugen und das Schlachtgeschrei er-hoben, machte dieses Getöse die Elephanten scheu, ein Theil derselbenkehrte um und brachte die linke numidische Flankenreiterei in Ver-wirrung ; diesen Augenblick benutzte Masinissa zu einem heftigen Vor-stoss gegen diese Reiterei, die er mit Leichtigkeit warf. Alle übrigenElephanten hatten sich gegen die Veliten gewendet und zertraten sie;dabei wurden aber ihrer viele verwundet und schliesslich grösstentheilsim Centrum in die Intervalle der römischen Linie getrieben; auf demrechten Flügel wandten sie sich nach rückwärts und richteten Verwirrunganbei der karthagischen Reiterei. Nun griff Lälius, diesen Moment er-spähend, seinerseits gleichfalls diese Cavallerie an und warf sie über denHaufen. So blieb auf beiden Seiten |das Fussvolk allein und rückte inruhigem Schritt und in bester Ordnung gegen einander vor; nur Hannibal'sdritte Linie blieb auf ihrem Platze stehen. Allein Scipio machte die Hoff-nung und Erwartung Hannibal's zu Schanden, indem er, seine Absichterrathend, anstatt die Principes an die Hastati heranzuziehen, die Letzterenin geschlossener Phalanx in gleicher Frontausdehnung mit der erstenLinie Hannibal's vorrücken, diese erste Linie ungestüm durch Jene an-greifen und sie durch seine zweite und dritte Linie unterstützen liess.Der Choc der Hastati war ausserordentlich heftig, aber auch der Wider-stand von Hannibal's erster Linie sehr hartnäckig. Endlich aber konntesie dem Andrang der besser bewaffneten und ausgebildeten Hastatennicht länger Stand halten, da sie von ihrer zweiten Linie nicht unter-stützt wurde, welche aus Furcht nicht weiter vorgerückt war; sie musstezurückweichen und warf sich nun, in dem Glauben, dass die zweiteLinie sie verrathen habe, auf diese. Die zweite Linie leistete ihr abermit der Wuth der Verzweiflung solchen heftigen Widerstand, dass vonbeiden Theilen viele verwundet wurden und fielen. Während dessen
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 3. 13