28. Der zweite punische Krieg (218—202). 171
in Capua resp. Tarent bleiben, der Proconsul Lävinus an den Prätor Ser-vilius in Sicilien 30 Kriegsschiffe abgeben und mit den übrigen nach Romzurückkehren, Sulpicius endlich sollte in Griechenland bleiben. Denbeiden Consuln wurde befohlen, dafür zu sorgen, dass alle die Landbe-wohner in ihre Dörfer zurückkehrten, denen vordem anempfohlen war,sich in die Städte zu retten. Dies war nicht so leicht, denn ein grosserTheil dieser Bauern war entweder während des Krieges umgekommen,oder stand in den Armeen, sodass es für den Ackerbau an Menschen-händen wie an Vieh fehlte. Indessen kehrten doch viele Ackerbesitzeran ihre Landarbeit zurück, namentlich in den näher an Rom gelegenenProvinzen; die mehr nach Norden und besonders nach Süden weiter ab-gelegenen Bezirke waren mehr oder weniger durch den Krieg verwüstet.
Der Feldzug wurde durch einen Einfall der Consuln in die Mark vonConsentia (h. Cosenza) im mittleren Bruttium eröffnet, welche sie ver-heerten. Aber in einem Bergpass durch bruttische und numidischeBogenschützen angegriffen, geriethen die Consuln in grosse Gefahr;es gelang ihnen jedoch sich aus dem Engpass zu retten, und nun zogensie gegen die Lucanier und zwangen diese sich ohne Kampf zu unter-werfen.
Hannibal rührte sich nicht aus dem Bruttischen, und die Römerwagten nicht, ihn dort anzugreifen, solchen Respect flösste ihnen nochimmer sein Name ein. Es unterliegt keinem Zweifel, dass sein Verhaltenin der schwierigen Lage, in welcher er sich jetzt befand, noch mehr Be-wunderung verdient, als zur Zeit seiner grössten Erfolge und auf demGipfel des Glücks. Mehr als zwölf Jahre schon führte er den Krieg imMittelpunkte der römischen Herrschaft in Italien, weit ab von Karthagound Hispanien, mit einem aus den verschiedensten Völkern zusammen-gesetzten, mehr und mehr an Zahl wie an Kraft zusammenschmelzendenHeere, häufig an Sold, an Kleidung, an Lebensmitteln Mangel leidend rdie unglaublichsten Beschwerden, Entbehrungen und Gefahren ertragend,und trotz dessen zerriss niemals das Band, welches seine Krieger untereinander und mit ihrem grossen Feldherrn zusammenhielt. Besondersnach der Niederlage und dem Tode Hasdrubal's ist Hannibal bewunderns-würdig. Aller seiner auf die Hülfe durch Hasdrubal's Heer gegründetenHoffnungen beraubt, genöthigt sich in den südlichen Theil von Bruttiumzu begeben und lediglich aus diesem Alles herauszuziehen, was für denUnterhalt seiner Armee erforderlich war, und dabei noch die Mittel zurBeschaffung dieses Unterhalts durch die Beschlagnahme aller arbeitendenBauern und Einstellung unter seine Fahnen zu schmälern, — (und doch warbei den wankelmüthigen Stämmen, welche nur die Gier nach Geld, Plün-derung und Beute zum Kriegsdienst lockte, diese Einstellung ebensonothwendig wie schwierig), — gelang es ihm dennoch, eine solche Armee