27. Der zweite pnuische Krieg 218—202. U9
Zweck jedem Haufen noch Einige der Verschworenen mitgegeben wurden.Die römische Besatzung und deren Befehlshaber, bei dem von ihnen ver-nommenen Lärm gleich muthmassend, dass der Feind in die Stadt ge-drungen sei, warfen sich in die innere Burg I oder Citadellej und es ge-lang ihnen sich dort einzuschliessen, nachdem in der Dunkelheit derNacht noch viele von ihnen erschlagen worden waren.
Die Einnahme von Tarent ist hier mit einiger Ausführlichkeit dar-gestellt worden, 1) als ein Beispiel aus vielen für die Kriegslisten, derenman im Alterthum überhaupt, und Hannibal besonders sich bediente, umfeindliche Städte zu gewinnen, und 2) als Beweis für die SchlauheitHannibal's wie für die Nachlässigkeit der römischen Garnison, trotzdemder städtische wie der Lager-Wachtdienst bei den Römern für gewöhn-lich sehr strenge gehandhabt wurde (s. IL Theil, 20. Kapitel, §. 128).
So hatte sich nun Hannibal in den Besitz von Tarent gesetzt, aberdie Burg konnte er nicht nehmen, und ohne diese war auch der für Hanni-bal besonders wichtige Hafen von Tarent nicht in seiner Macht; es wardies für ihn also nur ein halber oder eigentlich ein Misserfolg, denn solange die Römer die Burg in Händen hatten, waren auch alle Vortheileauf ihrer, alle Nachtheile aber auf Hannibal's Seite. Die Römer hattenan der Burg einen Vertheidigungspunkt, von dem aus sie Tarent zu Landeund zu Wasser belagern und dadurch Hannibal zwingen konnten, inTarent seine Hauptkräfte zu concentriren, die übrigen Provinzen Süd-Italiens zu verlassen und entweder viel Zeit zu verlieren, oder den Zu-fälligkeiten einer Schlacht ausgesetzt zu sein.
Der römische Senat aber wich von dem ihm vorgesteckten Haupt-ziele, der möglichst ungesäumten Einnahme von Capua, nicht ab und be-schränkte sich nur auf Verstärkung der Besatzung der Burg von Tarent,was dem Senate vollkommen möglich war, da sowohl das Meer, als derHafen von Tarentum für ihn ganz offen lagen.
Hannibal wollte zuerst die Burg erstürmen, da er aber die ausser-ordentliche Stärke ihrer Lage und Befestigungen erkannte, beschränkteer sich darauf, sie von der Stadtseite her einzuschliessen, indem erzwischen ihr und der Stadt Contravallationslinien aufführen Hess. EinAusfall der römischen Besatzung wurde abgeschlagen, die Verschan-zungslinien vollendet, eine für ihre Besatzung und Vertheidigung hin-reichende Truppenzahl zurückgelassen, mit den übrigen Truppen zog eraus Tarent ab und schlug mit seiner ganzen Armee ein Lager 3 Meilenvon der Stadt entfernt auf. Bald nachher versuchte er die Burg durchBelagerung einzunehmen, allein die römische Besatzung, welche Ver-stärkungen erhalten hatte, machte einen kräftigen Ausfall und verbranntealle seine Belagerungsmaschinen. Nun verzichtete Hannibal darauf, dieBurg durch Belagerung zu gewinnen, sicherte nur die Stadt zu Lande