108 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
schaftlick einen verzweifelten letzten energischen Vorstoss machten,welcher endlich Hanno's Armee erschütterte und sie in ihr Lager zurück-warf, in das die Römer gleichzeitig mit ihr eindrangen. Hier setzte sichder Kampf mit äusserster Erbitterung fort: als aber die römischen ge-fangenen , welche im Lager waren, sich Waffen zu verschaffen gewussthatten, griffen diese die Karthager von hinten an, und nun wurde fastdie ganze Armee Hanno's niedergemacht, Hanno selbst entkam mit nuretwa 2000 Mann. Die Römer hatten ungefähr 2000 Mann verloren.Hanno's Lager wurde den römischen Truppen zur Plünderung überlassen,nur das Vieh, welches sich darin vorfand. wurde behufs Rückgabe andie Besitzer aufgehoben.
Sempronius kehrte in sein Lager zurück, gab allen Freiwilligen dieFreiheit, auch denen, welche weniger tapfer als die andern gekämpftund nicht an dem Angriff und der Wegnahme des feindlichen Lagerstheilgenommen hatten, und die er nur damit bestrafte, dass er ihnen auf-gab, während ihrer ganzen Dienstzeit ihre Mahlzeiten stehend'einzunehmen. Dann ging Sempronius nach Beneventum zurück, woer als Sieger empfangen und seine Truppen durch die Einwohner frei-gebig bewirthet wurden*).
Bezüglich der Schlacht und des Sieges bei Beneventum muss mandem Fabius wie dem Sempronius volle Anerkennung zollen und alle Ehrebeimessen, dem Ersteren, weil er den Sempronius zu dieser Stadt ent-sendete , dem Letzteren wegen seines Entschlusses, dem Hanno eineSchlacht zu liefern, und für seine Anordnungen vor, während und nachder Schlacht. Deshalb waren auch die Resultate derselben ausserordent-lich günstig für die Römer und nachtheilig für Hannibal, dessen Opera-tionsplan sie vollständig durchkreuzten. Der Mitwirkung Hanno's be-raubt, musste er sich auf die Festhaltung von Capua und auf die Besitz-nahme von Nola mit seinen eigenen Kräften 'angewiesen sehen, denndiese beiden Städte Campaniens waren für ihn wie für die Römer gleichwichtig.
Inder That war, während Sempronius gegen Hanno zog und operirte,Hannibal aus der Umgegend von Neapolis nach Nola gerückt und hatteein Lager westwärts der Stadt bezogen. Marcellus zog sogleich den Restseiner Armee aus Suessula an sich heran und detachirte in der Nachtseinen Legaten Claudius Nero mit auserlesener Reiterei zu einer Um-gehung Hannibal's, um diesen im Rücken anzugreifen, während er selbstihn von vorn angriffe. Am folgenden Morgen rückte er aus Nola aus,griff Hannibal an und bedrängte dessen Armee heftig, da aber kein An-
*) Livius erzählt, dass Sempronius später in Rom ein Gemälde von diesem Gast-mahl in dem Tempel der Freiheit habe aufstellen lassen. Anmerk. d. Uebersetzers.