27. Der zweite punische Krieg (218—202 . 99
rieht setzte Rom aufs Neue in Trauer und Schrecken; aber SemproniusGracchus beruhigte das Volk und den Senat, und auf seinen Vorschlagwurde beschlossen: 1) den Krieg mit den cisalpinischen Galliern auf-zugeben und nur gegen Hannibal weiter zu kämpfen und 2) sich genaueKenntniss von den gegen diesen Letzteren zur Verfügung stehendenrömischen Streitkräften zu verschaffen. In Folge dessen wurde demSempronius die Armee des bisherigen Dictators Junius anvertraut; ausdes Marcellus' Armee wurden alle Diejenigen, welche in der Schlacht beiCannä geflohen waren, zur Strafe nach Sicilien geschickt, wo sie so langedienen sollten, bis der Krieg in Italien beendet sei; die schwächerenKrieger aus des Junius' Armee wurden gleichfalls nach Sicilien geschickt,um dort ihre Dienstzeit abzudienen. Die zwei Legionen, welche in Siciliengewesen waren, wurden nach Italien zurückgeholt; demConsul, welchernoch an des Postumius Stelle gewählt werden sollte, wurden die beidenLegionen der Stadt Rom bestimmt, welche erst noch mit der nöfhigenAnzahl von bundesgenössischen Kriegern auf ihre volle Stärke gebrachtwerden sollten: endlich wurde dem Varro der Oberbefehl über sein Heerverlängert, das in seinem vollen Bestände verblieb.
Im März trat Sempronius sein Amt an, der Prätor Appius ClaudiusPulcher, ging nach Sicilien ab, der Prätor Mucius nach Sardinien, demMarcellus wurde die Macht als Proconsul (an Stelle des Postumius] über-tragen und dann beschlossen, dass Sempronius sogleich die städtischenLegionen bei Cales (h. Calvi) nordwestlich von Capua sammeln und siedann mit Marcellus in dessen befestigtes Lager bei Suessula [h. Sestolasüdöstlich von Capua schicken solle; Appius sollte nach Sicilien gehenmit den dorthin bestimmten Legionen von Cannä, die sicilischen Legionenendlich sollten nach Rom zurückkehren.
Diese Eintheilung der römischen Armeen war weit besser, als dieim vorhergehenden Jahre. Zu Grunde lag ihr die weise Absicht des Se-nates, gegen Hannibal mit denselben Mitteln zu wirken, welche der Se-nat nach der Schlacht bei Cannä angewendet hatte, nämlich die Kräftezu theilen, um die von Hannibal an sich gelockten Bundesgenossen inItalien von ihm wieder loszureissen, sich zu dem Zwecke Lucaniens undBruttiums zu bemächtigen, ihn beständig durch Theile der Streitmacht zubedrohen und mit den Armeen derart einzuschliessen, dass er verhindertwürde, neue Armeecorps gegen Rom zu entsenden, kurz, Hannibal vonallen Seiten einzuengen. Hierbei dienten einerseits Nola und des Mar-cellus befestigtes Lager bei Suessula als vorzügliche Vertheidigungs-punkte, während Canusium zugleich Apulien in Gehorsam erhielt undTarentum und Brundisium deckte: Varro hatte durch Festhaltung dieserStadt seinem Vaterlande den einzigen reellen Dienst geleistet. Im Lagerbei Suessula stand Marcellus mit zwei Legionen. Sempronius ebenfalls