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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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27. Der zweite pimische Krieg (218202). 97

dass die Partei Hanno's in Karthago, beständig und in jeder Weise bemüht,die gegnerische barcinische Partei des Vertrauens im Volke zu berauben,dies endlich gerade in dem wichtigsten Zeitpunkt des Krieges erreichte,nach der Schlacht bei Cannä nämlich, und 2) dass auf der anderen Seitedie Kömer, durch die bitteren Erfahrungen der drei ersten Kriegsjahrebelehrt, verständiger Weise von ihrer ursprünglichen Art der Krieg-führung während dieser drei Jahre abgingen und das weise System desFabius annahmen, das sie fortan auch unablässig befolgten.

Die Folgen dieser beiden Ursachen waren:

Auf Seiten der Karthager dies, dass ihre Regierung Hannibal undHasdrubal in Italien und Hispanien in äusserst unzulänglicher, nichtzweckentsprechender Weise unterstützte und nur träge, langsam undmatt Hülfe schaffte, in Folge dessen sich die Streitmacht und die MittelHannibal's wie Hasdrubal's beständig verringerten, und dass sie zwar indie Gegenden, wo Beide standen, Unterstützungen und Mittel entsandte,aber nur mit vieler Mühe und nicht in dem Maasse und Umfange, um denKrieg mit Kraft, Beharrlichkeit und Erfolg fortsetzen zu können. DieArmee Hannibal's füllte sich mehr und mehr mit italischen Eingeborenen,die von Born abgefallen waren, und erhielt dadurch eine Zusammensetzungaus vielen Völkerstämmen, welche die Aufrechthaltung einer straffenDisciplin und eines einmüthigen Geistes in derselben um so mehr er-schwerte, als die italischen, hispanischen und gallischen Bestandtheiledieses Heeres weit mehr ihre eigenen Interessen als die Karthagos imAuge hatten. Das von den Römern angenommene System der Krieg-führung gestattete dem Hannibal nicht, wie früher, die Wünsche seinerVerbündeten in Italien und ihrer Hülfstruppen durch Erkämpfen einesSieges nach dem anderen über die Bömer zu erfüllen, sondern setzte viel-mehr ihn nicht selten grösseren oder kleineren Niederlagen aus. Hierzukam, dass die ganze Last des von Hannibal in Italien im Interesse Kar-thagos geführten Krieges mit voller Schwere auf seinen Verbündeten inItalien lag, was sie mehr und mehr gegen ihn erkältete.

Auf Seiten der Römer dagegen war die Niederlage bei Cannä nichtnur nicht von nachtheiliger, sondern von im höchsten Grade nützlicherNachwirkung, indem sie dieselben aus ihrem bisherigen Schlafe auf-rüttelte, aus ihrer Sorglosigkeit und Unbesonnenheit emporriss und siezu der aussergewöhnlichen sittlichen Energie aufstachelte, deren Rom inso hohem Grade fähig war und die es bisher stets unter schwierigen Um-ständen und in gefahrvollen Lagen entfaltet hatte. Nachdem sie einmaldas System der Kriegführung des Fabius angenommen, wichen sie ge-flissentlich jedem Kampfe mit Hannibal unter für diesen günstigen, für sieaber ungünstigen Umständen aus und lieferten ihm nur dann ein Treffen,wenn sie auf Erfolg hoffen konnten. In solchen Fällen aber standen,

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 3. I