92 III. Vorn Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
ten, sich mit seiner Armee nach Italien zu begeben und mit Hannibal zuvereinigen. Das Gerücht davon ■ brachte bei den Hispaniern grosseAufregung hervor, welche nach Hasdrubal's Abzug die Römer fürchtetenund jetzt schon daran dachten, mit ihnen Frieden zu schliessen. Has-drubal setzte den Senat davon in Kenntniss und stellte ihm vor, dass, umHispanien im Falle seines Abrückens nach Italien für Karthago zu erhal-ten, es unbedingt erforderlich sei, eine andere Armee nach Hispanien zuschicken. In Folge dessen schickte der Senat Himilko mit Truppen nachHispanien. Als dieser bei Hasdrubal eintraf, theilte er demselben einenBefehl des Senats mit, wonach ihm (Himilko) die Verwaltung von Hi-spanien übergeben werden, Hasdrubal aber nach Italien gehen solle.Hasdrubal trieb bei den Hispaniern noch eine grosse Geldsumme bei. umdamit den Durchzug durch Gallien erkaufen zu können, und zog dannzum Iberus. Auf die Kunde hiervon vereinigten Cnejus und PubliusScipio ihre Truppen, gingen auf das rechte Iberusufer über und bela-gerten die Stadt Ibera (heute Tortosa), um Hasdrubal damit hinter sichherzuziehen. Der Letztere wandte sich auch wirklich gegen sie, wurdeaber in der sich bald entspinnenden Schlacht von seinen hispanischenHülfstruppen verlassen, mit grossem Verluste aufs Haupt geschlagen,die Reste seiner Armee zerstreuten sich, er selber entkam nur mit Weni-gen, und sein Lager wurde von den Siegern eingenommen und geplün-dert. Dieser Sieg hatte die wichtige Folge, dass viele noch schwankendehispanische Stämme sofort von Karthago abfielen, und dass Hasdrubalnicht allein auf die Hoffnung verzichten musste, nach Italien zu gehen,sondern sogar kaum noch eine Möglichkeit sah, sich in Spanien zu halten.Daran hatte er allerdings selber Schuld gehabt, weil er die List der Sci-pionen nicht erkannt und seine Bewegung nach Italien nicht fortgesetzthatte, dem Himilko die Abwehr der Scipionen überlassend, — oder weiler nicht wenigstens mit diesem vereint den Scipionen eine Schlacht ge-liefert hatte. Ausserdem waren auch seine Anordnungen im Gefechtefehlerhaft.
Auf diese Weise befanden sich also zu Ende des Jahres 216, nach-dem seit Beginn des Krieges drei Jahre verflossen waren, beide krieg-führende Theile in folgender Lage zu einander:
Hannibal, der den Krieg mit dem kühnen Zuge über den Iberus,die Pyrenäen, den Rhodanus und die Alpen nach Nord-Italien und weiterüber den Padus bis zu dem südlichsten Theile Italiens eröffnet hatte, derin einem Gefecht und drei Schlachten fünf römische Armeen vernichtet undden Römern dadurch vier schwere Schläge beigebracht, der ganz Italiengegen sie in Aufruhr gebracht hatte, war nach der entscheidenden Schlachtbei Cannä nicht direct auf Rom losmarschirt, sondern hielt sich mit derEinnahme der kleinen Städtchen Campaniens auf, die er theils mit Ge-