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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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26. Der zweite punische Krieg (218202). 89

da sie sich weigerte. Aber die Bewohner, welche fürchteten, nicht Standhalten zu können, machten mit ihrer ganzen Kraft einen Ausfall, durch-brachen die unvollendeten und schlechtbesetzten CircumvallationslinienHannibal's und begaben sich in die den Römern treu gebliebenen StädteCampaniens. -Hannibal zerstörte Acerrä und liess es anzünden. Aufdie Nachricht, dass der Dictator Junius mit den neuen Legionen nachCasilinum in der Nähe von Capua marschire, ging er gleichfalls dorthin,um dem Junius zuvorzukommen. Er hoffte die Stadt Casilinum unbe-setzt zu finden und dass sie ihm von den zu seinen Gunsten gestimmtenCampaniern übergeben werden würde, aber er irrte sich: zufällig war esbesetzt von 1000 oder 1500 Mann römischer, pränestinischer, perusiani-scher und anderer bundesgenössischer Truppen, welche sich zu derSchlacht von Cannä verspätet hatten, dann auch zur Truppenaushebungin Rom zu spät gekommen waren, und sich schliesslich nach Casilinumgeworfen hatten. Da sie hier erfuhren, dass die Einwohner sich an Han-nibal zu ergeben beabsichtigten, so tödteten sie dieselben in der Nachtund beschlossen sich in Casilinum bis aufs Aeusserste zu halten. Han-nibal versuchte, nachdem ihm die Einnahme von Casilinum im erstenAnlauf nicht gelungen war, zwei Mal die Stadt zu erstürmen, die Garnisonwehrte sich aber so tapfer und mit solcher Ausdauer, dass Hannibal ge-zwungen war, mit Verlust zurückzuweichen, und nun die Stadt belagerte.Die Besatzung fuhr aber mit ihrer muthigen und geschickten Vertheidi-gung fort, so dass endlich Hannibal sich genöthigt sah, die Belagerungin eine Einschliessung zu verwandeln, und, nach Zurücklassung einesTheiles seiner Armee zur Besetzung der Circumvallationslinien, mit derHauptmacht nach Capua zurückging.

Hier brachte er den "Winter zu, und alle -Historiker, Titus Livius anihrer Spitze, tadeln ihn einstimmig deshalb, indem sie sagen, dass seinAufenthalt in Capua während des Winters seine Armee corrumpirt undmoralisch geschwächt, ja geradezu ruinirt habe. Diese Beschuldigungwurde von allen neueren Historikern wörtlich aufgenommen, ohneihre Richtigkeit zu untersuchen. Aber gerade in dieser Hinsicht istdiese Anklage äusserst hinfällig, weil mehr oder weniger unbegründet,irrthümlich und ungerecht. Und wie hätte dem anders sein können, dasie keinen andern Grund hatte, als die Vorurtheile der Römer und ihrenHass gegen Karthago und namentlich gegen Hannibal.

Zu der Zeit, als er seine Winterquartiere in Capua bezog, hatte, wiewir gesehen haben, das Glück ihn schon zu verlassen begonnen; dassaber die Ursache davon speciell die Ueberwinterung in Capua gewesenwäre, das ist eine römische und darum böswillige und absurde Erfindung.Der maäslose Hochmuth der Römer war durch die furchtbaren Niederla-gen, welche Hannibal ihnen, den bis dahin siegreichen und unüberwind-