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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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82 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

einer Einschliessung oder Belagerung ernstlich zu denken, das war un-möglich, und der Marsch direct auf Rom konnte wohl ein ausgezeichneterStreifzug, ein Parteigänger-Coup für Maharbal sein, in keinem Falle aberwürde er das wohlbegründete, reiflich erwogene und regelrecht ausge-führte (was Napoleon I. unter methodisch versteht) Unternehmeneines solchen Feldherrn wie Hannibal, in einem solchen Kriege wiedieser, mit einer Armee wie die seinige, unter den Umständen, in welchener sich befand, und solchem Feinde wie Rom und den Römern gegenüber,gewesen sein. Den Rath zu dem sofortigen Zuge auf Rom konnte Mahar-bal, konnten die alten Historiker wohl ertheilen, aber ausführen konnteihn Hannibal nicht. Ihm musste es nach der Schlacht bei Cannä zunächstdarum zu thun sein, alle Bundesgenossen und alle Völker Italiens gegen.Rom aufzureizen, und dann erst nach vollkommener Isolirung Roms eseinzuschliessen, wie er (Hannibal) die Armeen desselben bei der Trebia,am trasimenischen See und bei Cannä eingeschlossen hatte. Das war dereines Hannibal vollkommen würdige Gedanke, wer könnte zu behauptenwagen, dass er unrichtig war? Es wird hiervon später noch die Redesein; hier ist zum Schlüsse nur noch des Schicksals jener römischenTruppen Erwähnung zu thun, welche sich nach der Schlacht bei Cannägerettet hatten.

Wie schon bemerkt, waren 4300 Mann derselben nach Canusiunientkommen. Bei diesen befanden sich ausser Sempronius noch 4 Kriegs-Tribunen : Fabius (der Sohn des gewesenen Dictators), Publicius Bibulus,Cornelius Scipio (der später so berühmte ScipioAfricanusderAel-tere) und Appius Claudius. DasCommando wurde dem Scipio undAppiusClaudius übertragen. Während sie noch berietben, was zu thun sei,erhielten sie die Nachricht, dass eine grosse Anzahl junger Krieger, anihrer Spitze Cäcilius Metellus, an der Rettung des Staates verzweifelnd,beabsichtigten, Italien zu verlassen. Scipio eilte mit den Mitgliedern desKriegsrathes sofort zu ihnen und zwang, mit dem Schwerte in der Hand,sie zu schwören, dass sie das Vaterland in der Gefahr nicht verlassenwollten. Unterdessen hatten sich ungefähr 4000 Mann von den nach ver-schiedenen Seiten hin Versprengten bei Venusia (h. Venosa) südwestlichvon Canusium gesammelt. Hier langte als Flüchtling auch der Urheberdes ganzen Unglücks, Varro, an. Auf die Kunde hiervon schickten Scipiound Appius Claudius zu ihm, um sich Befehle zu erbitten. Varro kammit den nach Venusia entkommenen 4000 Mann selber zu ihnen und nach-dem er in Canusium bereits an 14,000 Mann gesammelt hatte, traf erMassregeln, um eine kleine Consulararmee aus denselben zu bilden. Eserscheint sonderbar, dass er dazu Canusium, Angesichts des karthagi-schen Heeres, und nicht das von diesem weiter entfernte Venusiawählte. Aber man darf nicht vergessen, dass es eben Varro war.