26. Der zweite panische Krieg (218—202). 65
nibal, um glauben zu machen, dass er durch das östliche Latium gegenRom ziehen wolle, brach in das Gebiet der Peligner auf, im nördlichenSamnium, und begann es zu verwüsten. Fabius folgte dieser Bewegungauf den Bergen, sich immer zwischen Hannibal und Rom haltend. Baldaber änderte Hannibal, da er von seinen Kundschaftern erfahren hatte,dass in der Umgegend von Luceria (heute Lucera) und Gerio oder Gero-nium (heute Dragonara), zwei Städten im nördlichen daunischen Apulien,sich grosse Vorräthe von Weizen befänden und dass die Stadt Geroniumsehr geeignet sei zur Anlage von Lebensmittel-Magazinen für den Winter,seine Richtung und ging durch das Land der Frentaner im östlichen Sam-nium nach Geronium, das am Fusse des Berges Liburna nördlich vonLuceria lag. Da er die Einwohner von Geronium durch Unterhandlungenund Versprechungen nicht zur Uebergabe der Stadt zu bewegen ver-mochte , so nahm er dieselbe nach kurzer Zeit mit stürmender Hand,machte die Einwohner nieder, schleifte die Stadt und liess nur dieMauern und diejenigen Hänser stehen, welche er zu Magazinen für dieVorräthe machen wollte. Seine Armee liess er unter den Mauern vonGeronium ein stark befestigtes Lager beziehen.
Fabius, der Hannibal auf den Bergen zur Seite geblieben war, la-gerte sich ihm gegenüber bei Larinum (heute Larino) am rechten UferdesTifernus (heute Biferno) in einem gleichfalls stark verschanzten Lager.Als er aber bald darauf nach Rom musste, um religiöse Ceremonien vor-zunehmen, gab er den Oberbefehl über seine Armee an Minucius, dem erauftrug, während seiner Abwesenheit Nichts zu unternehmen und ebensozu verfahren, wie er (Fabius) verfahren sei, nicht aber wie Semproniusund Flaminius; er wies darauf hin, dass eben dadurch den Siegen Han-nibal's schon eine Grenze gesetzt sei und die Erinnerung an ihre erlitte-nen Niederlagen bereits sich verwische.
In Rom aber war die öffentliche Meinung, von den Freunden desMinucius und den Widersachern des Fabius gegen diesen Letzteren aufsAeusserste erregt und vom Senate sogar getheilt, sehr anderer Ansicht.Zwei Umstände vergrösserten noch diese Differenz der Ansichten: 1) dassHannibal befohlen hatte, das Landgut des Fabius von der allgemeinenVerheerung auszuschliessen, was den Schein des Verraths auf den Letz-teren werfen musste; 2) dass Fabius, nach Analogie der im erstenpunischen Kriege üblichen Praxis, mit Hannibal einen Vertrag geschlos-sen hatte über die Auswechselung der Gefangenen, wonach für jedenKriegsgefangenen, falls derselbe nicht ausgewechselt werden konnte,die Summe von 2y 2 Pfund Silber bezahlt werden sollte. Fabius hatteauf diese Weise 247 römische Kriegsgefangene mehr zurückerhalten, alser karthagische ausgeliefert hatte, und musste also das Geld zahlen. DerSenat aber bestätigte diesen Vertrag nicht und verweigerte dem Fabius
Galitzin. Allgem. Kriegsgeschichte. I, 3. 5