64 III. Vom Tode Alcxander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.)
Schlachtordnung und schickte seine leichte Reiterei weiter vor, um dasGefecht mit Fabius' Heer zu engagiren, das sich gleichfalls in Schlacht-ordnung vor seinem Lager aufgestellt hatte. Fabius wehrte aber dieNumidier nur ab und rührte sich nicht vom Fleck, sodass Hannibal ge-nöthigt war, abermals ohne Erfolg und mit Verlust in sein Lager zurück-zukehren. Da es ihm ebenso unmöglich war, noch länger in dem Thal-kessel Campaniens zu verweilen, als mit Gewalt den Durchgang durchdie vonFabius besetztenEngpässe des gallicanischenBerges zu erzwingen,so nahm er zu folgender Kriegslist seine Zuflucht: er liess von dem er-beuteten Rindvieh 2000 der kräftigsten Stiere zusammentreiben, ihnenReisigbündel und andere brennbare Stoffe zwischen die Hörner binden,gegen die dritte Nachtwache (zwischen Mitternacht und 3 Uhr Morgens)diese anzünden, und nun die Stiere von dem leichten Fussvolk begleitet,eine Anhöhe vor dem Engpass hinauftreiben. Die leichten Fusstruppensollten sich nach rechts und links hin auflösen, mit grossem Geschrei denGipfel der Anhöhe erklimmen und sich auf die ihn besetzt haltenden rö-mischen Wachen stürzen. Er selbst folgte dem leichten Fussvolk, mitdem afrikanischen Fussvolk voran, der Reiterei mit der Bagage undBeute dahinter, und dem hispanischen und gallischen Fussvolk an derQueue. Die römischen Wachtposten auf der Anhöhe hielten in der Fin-sterniss die sich heranbewegenden Feuer für die ganze karthagischeArmee und gingen ihr entgegen ; als sie die Stiere mit dem Feuer zwi-schen den Hörnern bemerkten, bemächtigte sich ihrer die Furcht undsie zogen sich nicht nur nicht in die früher innegehabte Stellung auf derAnhöhe zurück, sondern Hessen sich in vereinzelte Gefechte mit dem kar-thagischen leichten Fussvolk ein, in das die heranstürmenden Stiere sichvielfach einmischten. Bis zum Frühroth währte dieses Durcheinander.Fabius, der den Lärm vernahm, die Feuer sah und irgend welche Kriegs-list befürchtete, liess seine ganze Armee unter die Waffen treten, rückteaber nicht aus dem Lager. Hannibal zog davon Nutzen und gelangteglücklich bis zum Tagesanbruch mit seinem ganzen Heere ungehindert,wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten durch den Engpass. Mit dem Mor-genroth entspann sich noch ein Kampf auf den Bergen, aber Hannibalzwang, indem er sein hispanisches Fussvolk der Avantgarde verstärkte,die Truppen des Fabius mit einem Verluste von etwa 1000 Mann in ihrLager zurückzugehen, während seine eigenen Truppen fast gar keinenVerlust gehabt hatten. Nachdem er aus dem Gebirge heraus war, la-gerte sich Hannibal am Fuss desselben nahe bei Allifä in Samnium,Fabius ihm gegenüber in einer starken Stellung auf den Bergen.
Dies verbreitete unter den Bundesgenossen Roms Bestürzung, dennsie verzweifelten nun daran, endlich von Hannibal befreit zu werden, undsie murrten laut gegen.Fabius, dem sie heftige Vorwürfe machten. Han-