25. Der zweite panische Krieg (218-202). 49
wo sie solche Bestürzung erzeugten, dass die Stadt sich folgenden Tagesan Hannibal ergab. Um die römischen Garnisonen der übrigen Städtezu schrecken, liess Hannibal die Besatzung von Victumviä über dieKlinge springen und überliess den Platz seinen Truppen zur Plünderung.Die übrige Winterszeit hindurch gab Hannibal seinen Truppen Ruhe, waraber zwischendurch auf alle "Weise bemüht, sein Btindniss mit den cisal-pinischen Galliern zu befestigen und durch alle Mittel ihr Vertrauen undihre Wohlgeneigtheit zu erwerben, neue Verbündete zu gewinnen undalle erforderlichen Anordnungen zu treffen, um mit Beginn des Frühjahrsso früh als möglich die Kriegsoperationen wieder aufnehmen zu können.
Aber noch war der Winter nicht zu Ende (im Februar des Jahres 217),da brach, als die Kälte etwas nachgelassen, Hannibal mit seinem ganzenHeere schon wieder auf, um in dem Trebia-Thale aufwärts über denApennin-Ausläufer zu steigen, der Ligurien von Etrurien trennte, umin Etrurien einzufallen, es gütlich oder mit Gewalt auf seine Seite zubringen und den römischen Armeen hier mit der Vornahme von neuenAushebungen zuvorzukommen. Als er aber auf den Gebirgszug hinauf-kam, wurde er von solchem furchtbaren Sturme erfasst, wie er ihn selbstin den Alpen nicht erduldet hatte; er konnte nur mit der äussersten An-strengung sich aufrecht halten, ein Weitergehen war unmöglich, ermusste mit seinem Heere umkehren und bezog unweit Placentia einLager, nachdem er eine Menge Leute, Pferde, Lastthiere und noch siebenvon den ihm übrig gebliebenen Elephanten eingebüsst hatte.
Hierher wau inzwischen Sempronius von Rom aus zurückgekehrt.Feurig und unbesonnen, war er durch die Erfahrung der Schlacht an derTrebia nicht belehrt worden und rückte abermals gegen Hannibal vor,griff ihn zuerst im freien Felde an , drängte ihn bis an sein Lager zurückund griff dieses sogar an; dann aber, nach hartnäckigem Kampfe vonbeiden Seiten, gab er das Signal zum Rückzuge. Hannibal folgte ihmaus seinem Lager mit dem ganzen Fussvolk in der Mitte und der Reitereiauf seinen beiden Flanken. Der nun sich entspinnende heisse und blutigeKampf ward erst durch die sinkende Nacht beendet und kostete beidenTheilen gleich grosse Verluste (an 300 Mann Fussvolk und 600 Reiterauf jeder Seite), war aber für die Römer am empfindlichsten, weil vielerömische Anführer, 5 Kriegs-Tribunen und 3 Präfecten der Bundesge-nossen, gefallen waren.
Danach bezogen Hannibal und Sempronius Winterquartiere, derErstere in Ligurien, der Letztere in Lucca und Umgegend. Die Liguriervereinten sich mit Hannibal und lieferten zum Zeichen ihrer Treue ihmdie von ihnen gefangenen 2 Quästoren, 2 Kriegs-Tribunen und 5 römischeRitter aus, fast Alle Söhne von römischen Senatoren.
Galitzin. Allgem. Kriegsgeschichte. 1,3. 4