48 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus ,323—30 v. Chr.).
Schliessung hätte viel Zeit gekostet und wäre in vielen Beziehungen fürihn nicht vortheilhaft, sondern schädlich gewesen, ausserdem war erüberzeugt, dass sich Scipio so lange in Placentia halten werde, bis eineneu ausgehobene Armee herangekommen sei. Auch hatte Hannibal, Allesvorhersehend, berechnend und erwägend, sehr wohl erkannt, dass, ob-gleich er Scipio an Reiterei überlegen sei, er ihm doch an Fussvolk nach-stand, und endlich, dass ihm (Hannibal) nothwendig sei, sich eingehend umdie Verpflegung seiner Armee zu kümmern und besonders klug und vor-sichtig in Bezug auf seine Verbündeten, die cisalpinischen Gallier zu ver-fahren, unter denen leicht Unzufriedenheit entstehen konnte über den inihrem Lande sich abspielenden Krieg, einen Krieg, dessen ganze Last siezu tragen hatten, ohne Vortheile für sich davon zu gewinnen. Auf der an-deren Seite war er sich bewusst, dass er nicht allein in Unthätigkeit ver-harren dürfe, sondern im Gegentheil den von ihm erfochtenen Sieg best-möglich ausnutzen müsse. Deshalb war seiu ganzes ferneres Verhaltenwährend des Winters gegenüber Scipio, wie in Bezug auf die verbündetencisalpinischen Gallier auf diese Erwägungen gegründet und lief daraufhinaus, in jeder Weise Scipio und dessen Verbündete so viel als möglich zuschädigen, die cisalpinischen Gallier dagegen an sich zu ziehen, sich ge-neigt zu machen und auf seiner Seite zu erhalten. Zu diesem Zwecke Hesser durch seine numidische Reiterei die ganze Umgegend von Placentia der-art verwüsten, dass Scipio schliesslich nur noch auf dem Padus-FlusseLebensmittel erlangen konnte. Hierdurch schnitt er dem Scipio zugleichdie Verbindung nach Etrurien ab, von wo dieser Verstärkungen und Zu-fuhr zu erwarten hatte. Um Scipio der Möglichkeit zur Erlangung vonLebensmitteln auf dem Padus zu berauben, beschloss er durch plötz-lichen nächtlichen Ueberfall sich des kleinen befestigten Städtchens Em-porium Placentiorum zu bemächtigen, das am rechten Padus-Ufer einwenig oberhalb Placentia lag. Er zog des Nachts mit der Reiterei undleichtem Fussvolk dagegen an; aber die römischen Wachen schlugenLärm und erhoben solches Geschrei, dass es in Placentia gehört wurde,und Scipio rückte sogleich mit seiner Reiterei nach Emporium aus, indemer verständiger Weise das Fussvolk in Schlachtordnung folgen Hess. Indem sich entspinnenden Kampfe wurde Hannibal verwundet, seine Reitereiaber geworfen und verjagt. Nach Wiederherstellung von seiner Wundebeschloss Hannibal nun zur Entschädigung für die missglückte Unter-nehmung auf Emporium den befestigten und von den Römern besetztenOrt Victumviä in seinen Besitz zu bringen, auf der Grenze zwischen dengallischen Allanen undLigurien, um seine Verbindung mit diesem letztemLande sicher zu stellen. Die Einwohner der Umgegend, welche inVictumviä ein Asyl gefunden hatten, zogen heraus Hannibal entgegen,wurden aber von ihm geschlagen und nach Victumviä zurückgeworfen,