14 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
brandschatzt) und nachdem er dadurch erhebliche Geldmittel gewon-nen hatte, kehrte er mit seiner Armee für den Winter nach Neu-Karthagozurück. Durch Freigebigkeit gegen seine Soldaten, die er mit Geldspen-den belohnte und denen er reichen Lohn auch für die Zukunft in Aussichtstellte, und durch eifrige Sorge, sie mit allem Nothwendigen zu versehen,erwarb er sich in noch erhöhtem Maasse deren Liebe und Ergebenheit.Im Sommer des folgenden Jahres (220) wandte er sich gegen den Stammder Saccäer, welche in der Nähe des Flusses Durius wohnten (desheutigen Duero), und nahm rasch nach einander ihre Städte Hermandicaoder Salmantica (heute Salamanca) und Arbocala (heute Tordesillas *j amDuero), von denen die letztere sehr hartnäckigen Widerstand leistete.Während er Arbocala belagerte, vereinten sich die aus Salmantica ge-flohenen Bewohner mit den entflohenen Olkadern und den westlichvon diesen wohnenden Carpetanern (Carpesiern) und griffen in einerStärke von etwa 100,000 Mann Hannibal bei seinem Rückmarsch vonArbocala zum Tagus an. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich Han-nibal als intelligenten, kühnen und entschlossenen Feldherrn. Daer es für unzweckmässig und gefährlich erkannte, sowohl Angesichtsdes Feindes den Tagus zu überschreiten, als auch den an Kräften weitüberlegenen Feind zuerst anzugreifen, der ihn erdrückt haben würde, sobesetzte er eine durch ihre Lage starke Position, den Schein annehmend,als wolle er dort stehen bleiben und sich vertheidigen. In der nächstenNacht aber ging er über den Tagus und besetzte in einiger Entfernungvon demselben eine andere feste Position. Der Feind wähnte. dies seivon Hannibal aus Furcht geschehen, und fing an, mit einzelnen Haufenden Tagus in einer Furt zu überschreiten. Aber in diesem Augenblickwarf sich Hannibal mit seiner Hauptmacht in der Front auf ihn, miteiuem Theil der Reiterei, die den Fluss zurückpassirt hatte, in den Rückenund brachte so den verbündeten Hispaniern eine grosse und vollständigeNiederlage und bedeutenden Verlust bei. Dieser Sieg gab ihm die Mög-lichkeit, weiter zu ziehen und fernere Erfolge zu erringen. Er unter-warf nicht allein die Carpetaner und Turdetaner (im heutigen Andalusienund Estremadura zwischen den Mündungen des Guadiana und Guadal-quivir) , sondern auch alle Stämme am rechten Ufer des Iberus. Dannbezog er Winterquartiere in Neu-Karthago.
Endlich, im Jahre 219, hielt Hannibal den Augenblick und die Mög-lichkeit gegeben, den offenen Bruch mit Rom herbeizuführen. An derOstküste Hispaniens waren nur die griechischen Colonien, darunter diebedeutendste, Saguntuni, unabhängig geblieben. Sie standen unter Roms
*) Der geographischen Lage nach scheint es eher das heutige Arevalo gewesenzu sein, südlich Tordesillas. Anmerkung des Uehersetzers.