1 0 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—3Ü v. Chr.).
Muth und Rüstigkeit erforderte, noch waren die Krieger unter einem an-dern Führer vertrauensvoller oder kecker. Mit der grössten Kühnheitging er in Gefahren, mit der grössten Besonnenheit benahm er sich mittenin denselben, durch keine Beschwerde konnte sein Körper ermüdet, seinGeist gebeugt werden. Hitze und Kälte ertrug er mit gleicher Ausdauer;das Maass von Speise und Trank wurde durch das natürliche Bedürfniss,nicht durch die Lust bestimmt. Die Zeit des Wachens und des Schlafenshing nicht ab vom Unterschiede des Tages und der Nacht; was die Ge-schäfte übrig Hessen, wurde der Ruhe gegönnt und diese weder durch einweiches Lager, noch durch Stille herbeigerufen. Viele haben ihn oft miteinem kurzen Feldmantel bedeckt zwischen den Wachen und Posten derKrieger auf dem Boden liegen sehen. Seine Kleidung war vor seinenGenossen in Nichts auszeichnend; seine Waffen und Pferde fielen in'sAuge. Er war bei Weitem der beste Reiter, wie der beste Fussgänger.Als Vorderster ging er in das Treffen, als Letzter ging er aus demselben«.*)»Hannibal diente drei Jahre unter Hasdrubal's Oberbefehl und Hess Nichtsunbeachtet, was derjenige, der ein grosser Feldherr werden will, zu thunund zu sehen hat ■.<.
§. 155.Hannibal seit 221. Sein Plan.
Kaum war Hannibal zum Oberbefehlshaber der karthagischen Armeein Hispanien ernannt und bestätigt, so erklärte er offen, dass er die Er-oberung Iberiens vollenden wolle; im Stillen aber war er entschlossen,den ihm von Hamilkar und Hasdrubal vererbten Plan auszuführen, denJene durch ihren vorzeitigen Tod zu vollbringen verhindert wurden,nämlich — nach dauernder Festsetzung in Spanien und sich
*) Dann documentirt Titus Livius seine Unparteilichkeit, indem er den kriege-rischen Tugenden Hannibal's dessen Fehler entgegenstellt :unmenschlicheGrau-samkeit, Treulosigkeit, gänzliche Missachtung Alles dessen, wasg erecht und dem Menschen heilig sei, Mangel an Furcht der Götter,Verachtung der Heiligkeit des Eides, Gewissenlosigkeit! Alleindiese Schilderung der vermeintlichen Fehler Hannibal's von Seiten des römischenHistorikers fliesst nur aus dem tiefen Hasse der Eömer gegen Hannibal her und istebenso unwahr und ungerecht, als die hohen Eigenschaften seines Geistes und seinekriegerischen Tugenden unzweifelhaft wahr sind, sodass auch seine schlimmstenFeinde sie anerkennen mussten. Weder Polybius, noch Plutarch, welche oft Anlasshaben, von Hannibal zu reden, erwähnen jemals einen von diesen Fehlern, welcheLivius aufzählt, und die Darstellung der Ereignisse durch diesen Letzteren selberwiderlegt das Vorhandensein und selbst die Möglichkeit dieser Fehler, wie diesspäter an seinem Orte nachgewiesen werden soll.