Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

194 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.

Endlich, im J. 224, vereinten sich die cisalpinisch-senonischenGallier, Bqjer undlnsubrer mit denGäsaten und anderen transalpinischenGalliern, welche von jenseits der Alpen herübergekommen waren undein Lager an den Ufern des Eridanus (Po) bezogen hatten. Ihre ver-einten Kräfte beliefen sich auf 50,000 Mann zu Fuss und 20,000 Mannzu Pferde. Einen so zahlreichen Feind hatten die Kömer noch nie sichgegenüber gehabt. Dagegen stellten sie ihrerseits eine ungeheuere Machtins Feld, die sich auf 700800,000 Mann belief (s. 20. Kapitel §. 123),und rüsteten sich auf alle Fälle. Ein Prätor wurde mit einer Armee vonüber 50,000 Mann Fussvolk und 4000 Mann Reiterei nach Etrurien ge-legt, der Consul Aemilius Papus mit einer andern Armee von 35,200Mann zu Fuss und 2300 Reitern nach Ariminum (h. Rimini) an der Küstedes adriatischen Meeres, um den Galliern im Norden den Weg auf dereinen oder anderen Seite der Apenninen nach Mittel - Italien zu ver-sperren, der andere Consul Cajus Atilius, der aus Sardinien herbei-gerufen ward, sollte mit einer gleich starken Armee ebenfalls nachNord-Italien rücken; 40,000 Umbrer, Sarsinaten, Veneter undCenomanen end-lich wurden in das Land derBojer geschickt, von wo die transalpinischenGallier herbeizogen, um denZuzug weiterer Abtheilungen zu verhindern.Solchergestalt stellten den 70,000 Galliern die Römer 150,000 Mann ihrereigenen Truppen in vier verschiedenenArmeen entgegen, und ausserdemwurde bei Rom als eine für alle Fälle bereite Reserve noch ein fünftesHeer von 53,500 Mann (50,000 Mann zu Fuss und 3500 Mann zu Pferde)aufgestellt, was im Ganzen über 200,000 Mann Truppen ergiebt.Niemals hatte bisher Rom eine solche kolossale Kriegsmacht aufgeboten,selbst nicht im ersten punischen Kriege gegen Karthago. Aber dieshatte seinen Grund darin, dass man sich des furchtbaren Einfalls derGallier im J. 389 erinnerte, als sie Rom eingenommen und angezündethatten, und dass die Römer jetzt dasselbe fürchteten und überhaupt vorden zahlreichen, halbbarbarischen, kriegerischen und tapfern Galliern,namentlich den transalpinischen, grosse Angst hatten.

Die am Eridanus concentrirten verbündeten Gallier durchzogenEtrurien, indem sie das Land schrecklich verwüsteten und plünderten.Der Prätor in Etrurien liess sie vorüberziehen, folgte ihnen dann undHess sich bei Fäsulä, zwischen Clusium und dem Meere, in einen Kampfmit ihnen ein, in welchem er nach hartnäckiger Gegenwehr mit einemVerluste von 6000 Mann geschlagen wurde; die überlebenden Resteseines Heeres zogen sich auf eine Anhöhe zurück, wo sie von den Gallierneingeschlossen wurden.

Auf die Kunde hiervon zog Aemilius Papus von Ariminum den Galliernentgegen, traf bald nach der Schlacht beiFäsulä ein und wollte am folgen 7den Morgen die Gallier entschieden angreifen. Diese aber, mit ungeheurer