22. Der erste pnnische Krieg von 264—241. j 79
Wucht auf das Heer des Regulus drückte und es zum Weichen brachte.Aber in demselben Augenblick erschien das Umgehungscorps im Rücken,fand das karthagischeLager fast ganz unbesetzt und drang ohne besondereMühe oder Widerstand in dasselbe ein. Regulus , der dies bemerkte,ging nun wieder zur Offensive über und griff in der Front mit erneuterKraft an. Bald gerieth die karthagische Armee, von vorn und von hintenbedrängt, in Unordnung und Verwirrung, verliess ihre schwer ersteigbarePosition und wandte sich unter grossem Verluste zur Flucht. Die Römerplünderten das Lager der Karthager und zogen dann ohne Schwertstreichin die sich ihnen freiwillig unterwerfenden Städte Ades und Tunes (oderTunis) ein; mehr als 80 Städte und Ortschaften folgten dem Beispieljener Beiden.
Die Nachricht hiervon verbreitete solchen Schrecken in Karthago,dass dies Friedensvorschläge machte. Regulus stellte aber so harte undschwere Bedingungen, dass die Karthager sie verwarfen und erklärten,dass sie lieber das härteste Schicksal ertragen wollten, als in diese Be-dingungen einzuwilligen. Nun riefen sie den Lacedämonier Xanthippus mitgriechischen Miethstruppen aus Griechenland herbei. Xanthippus kannteund verstand weit besser, als die karthagischen Feldherren die Kriegs-wissenschaft Und Kunst der Kriegführung zu Lande, die zu dieser Zeitja noch immer in Sparta blühte, ausserdem war er selber ein geschickterFeldherr. Als er nach seinem Eintreffen sich mit der Lage der Dingeund den Verhältnissen in Karthago bekannt gemacht hatte, gewann erdie Ueberzeugung, dass alle Unfälle, welche die Karthager betroffen,nur aus der Unwissenheit und dem Ungeschick ihrer Anführer hervor-gegangen, dass Alles aber noch wieder gut zu machen sei, wenn die kar-thagische Regierung, statt sich der Verzweiflung hinzugeben, sich ent-schliessen würde, in zweckmässiger Weise ihre Kriegsmacht zu ver-wenden. Während dessen hatte Regulus immer weitere Erfolge erreichtund näherte sich bereits der Stadt Karthago. Die herannahende unver-meidliche Gefahr zwang nun die Karthager, dem Xanthippus den Ober-befehl über ihre Truppen anzuvertrauen. Nachdem er sie nachlacedämonischem Muster formirt und geordnet, ihnen die läcedämoni-schen Formationen, Evolutionen und Taktik geläufig gemacht, ihnenSelbstvertrauen eingeflösst, ihren Muth belebt und ihre Tapferkeit ent-flammt hatte, rückte er mit 12,000 Mann zu Fuss, 4000 Mann zu Pferdeund 100 Elephanten im J. 255 den Römern im ebenen Lande entgegen,wo seine Reiter und Elephanten mit Nutzen und Erfolg agiren konnten.
Die Römer waren zuerst über dieses neue Verhalten erstaunt, dannaber, stets nach Schlachten und Siegen verlangend und von ihrem Führerangefeuert, der ihr volles Vertrauen besass, gingen sie kühn auf diekleine Armee des Xanthippus los und stiessen bei Tunes auf ihn. Am
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