21. Kriege der Römer von 343 bis 264. 147
Als die römischen Armeen in dieselben eingezogen waren, stiessen dieVortruppen auf einen Verbau, der ihnen den weiteren Vormarsch ver-sperrte. Die einzige Rettung war, rasch umzukehren und aus dem Passhinauszueilen; aber schon war auch der Eingang hinter ihnen abgesperrt,und zugleich erschienen auf beiden Seiten des Passes oben auf denBergen die Samniten. Ein Kampf mit den Samniten war für die Römerin diesen engen Schluchten unmöglich, Mangel an Lebensmitteln drohteauszubrechen, es blieb also den Consuln Nichts übrig, als Unterhand-lungen mit dem Feinde anzuknüpfen. Pontius war in Verlegenheit, wie erseinen Erfolg ausnutzen und für sein Vaterland das entschiedene Ueber-gewicht dauernd sichern solle, — aber von allen ihm sich darbietendenMöglichkeiten wählte er die allerschlechteste und nutzloseste. Es wurdeein Vertrag abgeschlossen, durch welchen die Consuln sich verpflichtetendas ganze samnitische Gebiet zu räumen, alle von den Römern darin ge-gründeten Colonien zu zerstören und die Unabhängigkeit von Samniumanzuerkennen. Darauf mussten die römischen Truppen die Waffenniederlegen, 600 Ritter als Geissein für die Erfüllung des Vertragesdurch den römischen Senat ausliefern, und nun, blos mit dem Unterkleidangethan, die Consuln voran unter dem Joch durchgehen (zweiPfählen mit einem Querbalken darüber in Form eines Galgen) zumZeichen der Knechtschaft, — der grösste Schimpf, der nur dem römischenHeere und römischen Volke angethan werden konnte! Bei Nacht, stillund heimlich zogen die entehrten Legionen in Rom ein, und am folgendenTage machte vor vollzählig versammeltem Senat Postumius den Vor-schlag, dass sie Alle, die den schimpflichen Vertrag unterzeichnet hatten,der übrigens ohne religiöse Weihe durch die Fetiales abgeschlossen war,nackt und gefesselt an die Samniten ausgeliefert werden sollten, um dieEhre der römischen Waffen zu retten, ohne jedoch die Heiligkeit desVertrages zu verletzen. Pontius aber und die Samniten nahmen dieAusgelieferten nicht an, sondern verlangten entweder die Erfüllung desVertrages in allen Punkten, oder die Rückkehr des römischen Heeres indie caudinischen Pässe. Die Römer aber, sich bei der Erfüllung derfestgesetzten Formalitäten beruhigend, lehnten diese Forderung ab underneuten nun den Krieg gegen die Samniten mit gegenseitiger äussersterErbitterung, denn jetzt galt es für sie die angethane Schmach zu rächen,für die Samniten aber die gegen sie verübte Treulosigkeit zu strafen.
Während dessen hatten einige Verbündete Roms dessen Missgeschickbenutzt, um gegen dasselbe sich zu erheben: die StadtSatricum verbandsich mit den Samniten, Fregellä wurde mit ihrer Hülfe durch nächtlichenUeberfall genommen, Luceria fiel gleichfalls in ihre Hände, und in Cam-panien ward eine A r erschwörung gegen Rom angezettelt.
In Folge dessen brach im J. 320 der Consul Papirius nach Apulien