21. Kriege der Römer von 343 bis 2(>4. 1 43
schlössen; ihrem Beispiele folgten sämmtliche Campaner, die altenFeinde der Samniten.
Den Eörnern stand ein schwerer langwieriger Krieg bevor, da dieLatiner und die ihnen verbündeten Campaner gleiche Bewaffnung undOrganisation wie die Römer hatten, ihnen an Mutli, Tapferkeit undKriegskunst nicht nachstanden und ausserdem für ihr Recht aufgestandenwaren. Das kümmerte aber die Römer nicht; den Consuln ManliusTorquatus und Decius Mus wurde im J. 339 aufgetragen, mit ihrenHeeren gegen Latiner und Campaner zu Felde zu ziehen, und so rück-ten diese durch das Land der Marser und Peligner und bezogen nahebei Capua, wo sich die vereinten feindlichen Streitkräfte concentrirten,ein Lager. Da diese Letzteren früher schon mit den Römern auf einerSeite gefochten hatten und alle deren Kriegsgebräuche genau kannten,so befahlen die Consuln, dass in ihrem Lager die strengste Disciplingehandhabt werden solle, und verboten den römischen Kriegern, sichvereinzelt ausser Reihe und Glied zu schlagen. Als bald nachher derSohn des Consuls Manlius, welcher mit einer Abtheihmg auf Recognos-cirung ausgesandt war, auf eine feindliche Reiter-Abtheilung stiess, derenFührer ihn durch Spöttereien reizte , vergass er des Verbotes, Hess sichzum Zweikampf mit Jenem fortreissen und erlegte seinen Feind. Beiseiner Rückkehr ins Lager versammelte Manlius sein ganzes Heer underklärte, dass er als Vater sich der That seines Sohnes freue, als Consulaber ihn wegen Ungehorsams zu strafen verpflichtet sei, und liess ihmdas Haupt abschlagen. — So gross war damals die Strenge, mit welcherbei den Römern die kriegerische Disciplin aufrecht erhalten wurde.
Kurz danach kam es bei Capua und dem Berge Vesuvius zwischenden Römern und den verbündeten Latinern und Campanern zu einem heissenerbitterten Kampfe, der lange ohne Entscheidung hin und her wogte.Der Consul Decius Mus, als er bemerkte, dass seine Armee, welche denlinken Flügel hatte, zu schwanken begann, griff nun zu einem altenbei den Römern üblichen Brauche, nämlich der Weihung zum Opfertodefür Alle [devotio], indem er, in sein Senatoren-Gewand eingehüllt"), mitden Füssen auf ein entblösstes Schwert trat, dem Oberpriester die vorge-schriebene Weiheformel nachsprach und sich dann in die Reihen derFeinde stürzte, wo er in erbittertem Kampfe seinen Tod fand. DieseSelbstaufopferung war von solcher Wirkung auf seiue Krieger, dass sieihre Anstrengungen verdoppelten , und schliesslich errangen die Römereinen vollen und glänzenden Sieg'. Die geschlagenen Verbündeten zogen
*) S. die ausführliche Erzählung bei Titus Livius VIII. Buch 9. Kapitel. Die«Gabinische Verhüllung« in die Toga hüllte den Kopf ein, liess nur das Gesichtfrei und hing an den Seiten in Falten herab. Aum. d. Uebers,