19. Die Karthager. 73
zu ergeben, die Mamertiner wurden von ihm zersprengt, ihre Ansiede-lungen verheert und zerstört, Lilybäum belagert. Die Karthager batenum Frieden, Pyrrhus erklärte aber, die einzige Friedensbedingung seidie, dass sieSicilien vollständig räumten, worauf sie begreiflicherweisenicht eingingen. Man sollte meinen, Pyrrhus hätte nur nöthig gehabt,seine Erfolge mit Beständigkeit und Beharrlichkeit weiter auszudehnenund zu verfolgen, aber das lag durchaus nicht in seinem Charakter, derimmer ungeduldig, unruhig und unbeständig war. Durch die Belagerungvon Lilybäum gelangweilt, fand er, dass sie ihm zu viel Zeit raubte,brach sie ab und wollte, gleich Agathokles, den Krieg nach Afrika ver-legen. Da er für seine Flotte aber keine Ruderknechte hatte, so beganner auch sie in den Seestädten zusammenzutreiben. Das verwickelte ihnjedoch in Feindschaft und Streitigkeiten mit den Beherrschern der Städte,die sich vorher ihm freiwillig angeschlossen und ihm Hülfstruppen ge-stellt hatten. Um das Maass voll zu machen, Hess Pyrrhus den Thynionumbringen, und Sosistratus rettete sein Leben nur durch die Flucht.Dies Alles erzürnte die übrigen sicilischen Städte im höchsten Maasse,und ein Theil derselben schlug sich auf die Seite der Karthager, dieübrigen auf die der Mamertiner; eine karthagische Flotte schnitt denPyrrhus von Italien ab. Da er nun die Ueberzeugung gewonnen hatte,dass er sich mit seinen epirotischen Kriegern allein in Sicilien nichthalten könne, und inzwischen wiederholt von den Samniten und Taren-tinern zur Hülfe gegen die Römer nach Italien gerufen war, so bestiegPyrrhus mit seinen Truppen die Schiffe, schlug sich mit Mühe und Nothund mit Einbusse vieler Schiffe durch die karthagische Flotte durch undkehrte nach Italien zurück (276), Sicilien in vollkommen derselben Si-tuation zurücklassend, in welcher es vor seiner Ankunft gewesen war,so dass er also weder für sich, noch für Sicilien auch nur den geringstenVortheil erlangt hatte. Sehr schön beginnend, hatte er durch seine Un-überlegtheit Alles sehr schlecht geendet.
Hiermit schliessen wir die kurze Uebersicht über "den Stand desKriegswesens und der Kriegskunst bei den Karthagern und über ihreKriege in Sicilien bis zum Beginn der punischen Kriege. Man kann sichdaraus vorläufig schon eine Vorstellung bilden, die zum vollkommenenVerständniss des Antheils und der Thaten der Karthager bei diesen letztenund entscheidenden Kriegen gegen Rom unerlässlich ist, — welche wirweiter unten nun beschreiben werden.