72 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
ehrgeiziger Mann, wie Agathokles, der jedoch an Grausamkeit und Ver-brechen mehr einem Räuber glich (solche Art Leute gab es aber im Alter-thum stets viele), sowohl Sicilien wie den karthagischen Staat erzitternmachte und Karthago fast vernichtet hätte! In Bezug auf Karthago offen-bart dieser Krieg aber hinlänglich die ganze Ohnmacht und Hülf losigkeitdesselben gegen wenn auch nicht zahlreiche, so doch regelrecht geschulteund nach griechischem Muster organisirte und von verwegenen und ge-schickten Anführern geleitete Truppen. Die folgenden Kriege mit Pyrrhusund namentlich mit Rom zeigen dies in noch höherem Grade.
§. 122.Krieg mit Pyrrhus in Sicilien (278—276).
Nach dem Tode des Agathokles im J. 289 brachen in Sicilien vonNeuem grosse Verwirrungen aus. Syrakus und andere Städte, durch denKampf der politischen Parteien zerrissen, wurden zu dieser Zeit von denKarthagern und den Mamertinern, italischen Miethstruppen, welchesich mit Gewalt der Stadt Messana *) bemächtigt und dort eine Art vonRaubstaat gebildet hatten, hart bedrängt. In dieser schwierigen Lagewandten sich im J. 278 die Syrakusaner mit der Bitte um Hülfe an denEidam des Agathokles, Pyrrhus, der sich zu jener Zeit in Süditalien be-fand (s. weiter unten, 21. Kap. §. 138). Pyrrhus war damit einverstanden,um so lieber, da seine Lage in Italien sehr bedenklich war und er ins-geheim hoffte, in Sicilien seinen Sohn Helenus, Enkel des Agathokles,zum König zu machen. Obgleich die Karthager und Mamertiner einenBund gegen ihn schlössen, gelang es ihm doch, im J. 278 aus Lokri inSüditalien mit Truppen und Elephanten nach Tauromenium in Sicilienüberzusetzen. Hier schloss er ein Bündniss mit dem Tyrannen der Stadt,Tyndarion, und zog nach Syrakus. Alle Städte, die an seinem Wegelagen, unterwarfen sich ihm freiwillig und gaben ihm Hülfstruppen mit.Die Beherrscher von Syrakus, Sosistratus und Thynion, übergaben ihmdiese Stadt nebst Burg, trotzdem sie durch die Karthager zu Lande undzur See eingeschlossen waren. Bei seinem Einzüge in die Stadt wurdeer als Befreier empfangen und hatte bald eine Macht von 30,000 Mannzu Fuss, 5000 Mann zu Pferde, Elephanten und 200 Galeeren zusammen.Im J. 277 zwang er anfänglich die Karthager zur Aufhebung der Ein-schliessiuig von Syrakus, dann zur successiven Räumung aller StädteSiciliens, Lilybäum allein ausgenommen. Eryx nahm e* mit Sturm, Pa-normus zwang er durch Belagerung, sich unter gewissen Bedingungen
*) Messana, das heutige Messina, auf Sicilien, und Messene im Peloponnes: Ver-wechslungen bei alten Schriftstellern sind möglich, weil griechisch beide MziG-rp-qheissen. Anm. d. Uebers.