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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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19. Die Karthager. 59

Sitzungen ausserhalb Afrikas an den Küsten und Inseln des westlichenMittelmeeres, um seine Colonien in beständiger Abhängigkeit zu erhalten,und um dieselben gegen die Anschläge der äusseren Feinde zu schützen,vor Allem vermittelst einer starken Flotte sich in diesem Theile desMeeres nothwendigerweise die Seeherrschaft sichern musste, dann aberauch eines Landheeres bedurfte, sowohl um es auf der Flotte überallhintransportiren zu können, als zum Schutze der eigenen Besitzungen inAfrika. Deshalb war auch jetzt, wie sonst, ja sogar zur Zeit der letztenKriege mehr als früher. Karthagos Kriegsmacht zur See am bedeutendstenund nahm die erste Stelle ein, die Landmacht stand erst in zweiter Linie.Allein die Herrschaft zur See, wenn sie auch beschränkt war. unddie Ueberlegenheit der Flotte forderte und kostete einen ungeheuren Auf-wand an Mitteln und Kräften, weil zu dieser Zeit Karthago schon mit sostarken Gegnern, wie den Syrakusanern und den übrigen Griechen inSicilien, und besonders den Römern, zu ringen hatte. Dieser Neben-buhlerschaft mit Jenen verdankte auch Karthago die ungewöhnlicheEntwicklung seiner Macht zur See, aber zugleich giebt sie uns einenBegriff von den gewaltigen Mitteln, welche es zu seiner Verfügung hatteund mit denen es diese Macht stets auf derselben Höhe erhielt, trotz derhäufigen und so kostspieligen Siege und Erfolge und der noch häufigerenNiederlagen und Unglücksfälle. Deshalb finden wir auch bei den altenHistorikern und Schriftstellern (Diodor, Polybius, Appian und Aristoteles)weit mehr genaue Angaben über die Seemacht, als über die LandmachtKarthagos. Diese Nachrichten geben eine Vorstellung von den SeehäfenKarthagos, von denen der geräumigste und prächtigste hei der StadtKarthago selbst lag, demnächst die bei Hippo und bei anderen Seestädtenzu nennen sind,von den Marine-Etablissements, Schiffen, Flotten, vonder Formation, Zusammensetzung, Organisation, Commandoführung unddem Verhalten derselben etc. Die eigentlichen Kriegsschiffe oder langenSchiffe waren bis zu den punischen Kriegen hin gewöhnlich, wie esscheint, Triremen (d. h. mit drei Reihen Ruder), welche die Karthagerwahrscheinlich nach dem Muster der Triremen bei den italischen undnamentlich bei den sicilischen Griechen erbauten. Aber die nach demTode Alexander's d. Gr. und besonders seit der Zeit des DemetriusPoliorcetes sich verbreitende Gewohnheit, noch grössere Kriegsschiffe(mit vier, fünf, sechs und sogar sieben Ruderreihen) zu bauen, blieb auchden Karthagern nicht fremd. Schon im ersten punischen Kriege gab esin ihren Flotten Quinqueremen (mit fünf Reihen Ruderbänken), indemKriege gegen Pyrrhus nahmen sie diesem sogar eine Septireme ab (mitsieben Ruderreihen)! Dieser Vermehrung der Ruderreihen lag die Ab-sicht zu Grunde, eine möglichst grosse Schnelligkeit und Beweglichkeitder Schiffe zu erzielen, und hierin übertrafen die karthagischen Schiffe