56 III- Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten punisehen Kriege.
unfähig als König wie als Feldherr und in Sittenverderbniss versunken,verstand er es nicht nur nicht, die Früchte des von ihm persönlich eigent-lich gar nicht errungenen und keineswegs verdienten Sieges zu pflücken,sondern zog statt dessen, nur um rascher in seine Hauptstadt zurück-zukehren und sich dort der Unthätigkeit und Genusssucht zu ergeben,es vor, schleunigst Frieden zu schliessen und dadurch nicht nur derFrüchte seines Sieges sich zu berauben, sondern auch seinen Bundes-genossen Achäus zu opfern, der in Kleinasien sich erhoben hatte.Antiochus konnte nun, nachdem er mit Attalus von Pergamus Friedengeschlossen hatte, sich mit ganzer Macht gegen Achäus wenden, zwangdiesen, sich in das Schloss oder die Citadelle von Sardes zu werfen, undbelagerte ihn in derselben (216). Nach standhafter Gegenwehr wardAchäus durch den Verrath eines Kreters, Bolis, der aus Aegypten heim-lich zu seiner Rettung gesandt war, an Antiochus ausgeliefert und vondiesem (215) hingerichtet.
Nachdem Antiochus solchergestalt seine Macht befestigt und dieRuhe in Kleinasien wieder hergestellt hatte, wandte er sich mit seinensämmtlichen Streitkräften nach Hoch- und Ostasien, um auch dort seineAngelegenheiten zu ordnen, was ihm auch gelang.
Vor Allem zog er gegen Arsaces III., König von Parthien (auchArtabanes I. genannt, einen Enkel des Arsaces I.), welcher Medien inseinen Besitz gebracht hatte. Zehn Jahre währte der Krieg gegen diesen(214—205), der mit grossem Aufwand von Kräften, äusserst hartnäckiggeführt wurde und damit endete, dass Antiochus Medien zurückeroberte,den Arsaces von dort nach Hyrkanien drängte, ihn dorthin verfolgte,dann aber, nachdem er ihn mehrmals besiegt hatte, einen Vertrag mitihm schloss, worin er ihm die Herrschaft über Parthien und Hyrkanienbeliess, aber unter seiner (des Antiochus) Oberhoheit und mit der Be-dingung, dass Jener ihm in dem Kriege gegen Euthydemus, König vonBaktrien, beistehen müsse. Auch mit diesem schloss Antiochus, nachdemer ihn vollständig besiegt hatte, um einen längeren Krieg zu vermeiden,einen Friedensvertrag unter den gleichen Bedingungen wie mit Arsaces,d. h. er beliess ihm die Herrschaft über Baktrien und Sogdiana unterseiner (des Antiochus) Oberhoheit (205;. Dann vollführte er einen Zugnach Indien, erneute und befestigte die alten friedlichen und Handels-beziehungen und Verträge mit den Fürsten und Beherrschern Indiens,und kehrte durch Arachosien und Drangiana nach Karmanien zurück, woer den Winter 205—204 zubrachte; im J. 204 führte er dann noch eineExpedition zur See in den persischen Meerbusen aus und kehrte nundurch Persien, Babylonien und Mesopotamien in seine Hauptstadt Antiochia(204) zurück, nachdem er den Zweck seiner weiten Züge und gewaltigenUnternehmungen in Hoch- und Ostasien, nämlich die Wiederherstellung