18. Maeedonien, Griechenland und der Orient. \ 7
mit denen er unverweilt nach Böotien aufbrach; er wurde aber in denThermopylen geschlagen und warf sich in die Festung Lamia (nachderen Namen dieser ganze Krieg auch der lamische genannt wurde),indem er den macedonischen Feldherrn Leonnatus aus Cilicien in Klein-asien zur Hülfe herbeirief. Die Griechen schlössen Antipater in Lamiaein und belagerten diese Stadt; während dieser Einschliessung und Be-lagerung ward aber Leosthenes getödtet, und der an seiner Stelle er-nannte athenische Feldherr Antiphilus, der zwar nicht minder geschicktals Leosthenes, aber schwach war und nicht das gleiche Vertrauen genosswie Jener, zog dem heranrückenden Leonnatus entgegen und schlugihn, — Leonnatus selbst blieb. Antipater aber machte sich die Entfernungdes Antiphilus, die Misshelligkeiten und Streitigkeiten in dem griechi-schen Heere, sowie dessen Schwächung in Folge des Abzugs derAetolierzu Nutze, brach aus Lamia hervor, zog die Trümmer des geschlagenenHeeres von Leonnatus an sich und führte nun ebenso geschickt wie er-folgreich einen Defensivkrieg bis zu dem Zeitpunkte, wo ^322) der mace-donische Feldherr Kraterus aus Asien in Griechenland eintraf, welchemAlexander d. Gr. vor seinem Tode noch aufgetragen hatte, alle alt-gedienten Krieger (Veteranen) der macedonischen Armee nach Mace-donien zurückzuführen. Nach seiner Vereinigung mit Kraterus im J. 322hatte Antipater die entschiedene Ueberlegenheit der Kräfte auf seinerSeite, nämlich 48,000 Mann Fussvolk, 5000 Mann Reiterei und 3000 Bo-genschützen. Nun ging er zu entschiedenem Offensivverfahren gegen dieGriechen über, welche nur etwa halb so stark waren als er. Nach vielenScharmützeln fand endlich im September 322 bei Krannon unweit Lamiain Thessalien eine Schlacht statt, in welcher Antipater das Schlachtfeldbehauptete und also nach damaligen Begriffen den Sieg erlangt hatte,und dies auch nicht sowohl in Folge der Ueberlegenheit seiner Kräfteoder seiner Kunst, als der bei den Griechen gewöhnlichen Streitigkeitenund Unzufriedenheit. Nichts desto weniger hatte der Sieg Antipater's beiKrannon für die Wiederherstellung der macedonischen Macht in Griechen-land entscheidende Folgen. Die Griechen machten zuerst Friedensvor-schläge, und da Antipater sich nur mit jedem einzelnen Staate besondersin Unterhandlungen einlassen wollte, so beeilten sich alle, ausgenommenAthen und der ätolische Bund, unter den für Jeden günstigsten BedingungenFrieden zu schliessen. So blieben denn die Athener und Aetolier alleinund gänzlich auf ihre eigenen Kräfte angewiesen. Nachdem Antipater soin geschickter Weise das drohende Bündniss der Griechen gesprengt hatte,wandte er sich zuerst gegen Athen. Die bestürzten Athener schicktenihm — nicht ein Heer, sondern seinen Freund Phocion entgegen, nebstDeniades, dem Haupte der macedonischen Partei, als Gesandte, welcheum Gnade und um milde Bedingungen bitten sollten. Antipater forderte
Galitzin, Allgem.Kriegsgeschichte. I, 2. _ 2