18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 15
macedonischer Kriegskunst veränderten oder umstiessen. So ändertensie die normalen und richtigen Verhältnisse der Zusammensetzung derPhalanx und der Armee, indem sie dieselben übermässig vergrößertenund zugleich die Zahl der Streitwagen, der Elephanten und der ver-schiedenen asiatischen und afrikanischen ungeordneten Contingente beidenselben vermehrten. In der Schlacht bei Raphia im J. 217 (s. unten)bestanden z. B. die Tetraphalangarchien des Antiochus III. und Ptole-mäus IV. Philopator schon-nicht mehr aus 16,000 Hopliten, sondern beidem Ersteren aus 20,000, bei dem Zweiten aus 25,000 Mann, und späterin der Schlacht bei Magnesia gegen die Römer (190), welche über dasSchicksal des syrischen Reiches entschied, war die aus 16,000 Hoplitenbestehende Tetraphalangarchie Antiochus' III. in zehn Theile getheilt, inderen Zwischenräumen Elephanten mit Thürmen und Bogenschützen ver-theilt standen, und ihre Flanken waren durch 3000 schwer gewappneteKataphrakten gedeckt. Rechnet man hierzu noch, dass die Armeen ausverschiedenen Stämmen und Völkern, grösstentheils Miethstruppen undungeordneten Heerhaufen, zusammengesetzt und dass kriegerischer Sinnund Organisation bereits in Verfall gerathen waren, so leuchtet ein, dass,obschon sie noch einige äussere Formen der griechisch-macedonischeutaktischen Kunst beibehalten hatten, sie dennoch in allem Uebrigen,namentlich in moralischer Beziehung, den Armeen der letzten persischenKönige vollkommen ähnlich erschienen. Antiochus III. machte in seinenglücklichen Feldzügen und Kriegsthaten in Asien und Aegypten (224 bis203) noch einigermassen eine Ausnahme hiervon; nach seinem Tode abergerieth die griechisch-macedonische Kriegskunst im Orient gänzlich inVerfall, und wo später vereinzelt und auf kurze Zeit noch Etwas davondurchschimmert, ist das lediglich eine Folge der besonderen kriegerischenBegabung solcher Herrscher und Feldherren wie Mithridates' VI., desgrossen Königs von Pontus, des berühmten Gegners der Römer, undeiniger wenigen Anderen, die ihm ähnlich sind (s. unten).
II.Kriege.
§. 117.
Kriege zwischen den Nachfolgern Alexanders d. Gr. bis zur Schlachtbei Ipsus einschliesslich (323—301).
Diese Kriege bilden drei Hauptgruppen : 1) der Krieg bis zum Todedes Perdikkas im J. 321, — 2) der Krieg bis zum Tode des Eumenes imJ. 315, — und 3) der Krieg bis zur Niederlage und dem Tode des Anti-gonus in der Schlacht bei Ipsus im J. 301. Aber noch ehe sie beginnen