446 H. Vom Anfang der griech.-perg. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
der Burg, fiel den Vejentern in den Rücken und öffnete den römischenSoldaten die Stadtthore. Die auf diese Weise in die Stadt eingedrungenenRömer richteten ein fürchterliches Blutbad in derselben an, welches mitder Niedermetzelung aller Vejenter geendet haben würde, wenn Camillusnicht befohlen hätte, der Wehrlosen und der sich gefangen Gebenden zuschonen. Die Stadt wurde ausgeplündert und zu einer römischen Colo-nie gemacht. Die Römer bemächtigten sich in ihr unzähliger Reich-thümer, die Kriegsgefangenen wurden zu Sklaven gemacht (3951. DerEroberer von Veji, Camillus, wurde durch einen Triumphzug geehrt,bald nachher aber von den Volkstribunen der unrechtmässigen Aneig-nung eines Theiles der Beute und der Herrschsucht angeklagt, und ver-bannte sich in die Stadt Ardea.
So endigte der Krieg mit den Vejentern und die Belagerung vonVeji, welche insofern eine Aehnlichkeit mit dem trojanischen Kriege undder Belagerung von Troja hatten, als Veji auch ungefähr zehn Jahrelang belagert und nicht durch Sturm, sondern durch List erobert, wor-den war.
§. 110.
Erster Einfall der Gallier (389—388). Schlacht an der Allia.
Sechs Jahre nach der Eroberung von Veji (389) ward Rom zum er-sten Mal durch einen von Norden her kommenden Einfall neuer schreck-rlicher Feinde heimgesucht, — der Gallier. Dieser Einfall war bei Wei-tem gefährlicher, als alle die feindlichen Streifzüge der benachbartenVölker Mittelitaliens bis dahin gewesen waren, und. fast wäre Rom den-selben gänzlich erlegen.
Einer der Stämme der senonischen oder celtischen Gallier, welchesich schon seit langer Zeit in Norditalien niedergelassen hatten, war un-ter Anführung seines Fürsten Brennus in Etrurien eingebrochen undhatte die von Alters her mit Rom verbündete Stadt Clusium belagert. DieBewohner von Clusium baten Rom um Hülfe. Die Römer schlugen zwareine Unterstützung durch Truppen ab, schickten aber drei Gesandte ausdem Geschlecht der Fabier an Brennus , um ihn durch Unterhandlungenzur Aufhebung der Belagerung von Clusium und zum Frieden zu bewe-gen. Aber auf die hochmüthig vorgebrachte Forderung der Fabier ant-wortete Brennus mit gleichem Stolze und setzte die Belagerung vonClusium fort. Da Hessen sich die Fabier eine Verletzung des Völker-rechts in ihrer Stellung als Gesandte zu Schulden kommen, indem siedie Clusier zu einem Ausfall ermunterten und sich selbst an dessen Spitzestellten; sie wurden in der Schlacht erkannt, und Brennus forderte nunvon den Römern Genugthuung für diese Beleidigung. Statt die Fabierzu bestrafen , ernannten die Römer sie zu Kriegstribunen und begannen