426 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
König selbt befehligte alle Krieger, unter ihm commandirten die Tri-bunen (Feldobersten über 1000 Mann), die Centurionen (Haupt-leute über 100 Mann) und die Decurionen (Anführer über 10 Mann).Mit Ausnahme der 300 königlichen Leibgarden (celeres), welche ihrenUnterhalt vom Könige erhielten, dienten alle übrigen Krieger auf ihreeigenen Kosten, d. h. sie sorgten selbst für ihre Bewaffnung, Ausrüstungund Verpflegung.
Dies waren die ersten Grundanfänge der militärischen Organisationund Einrichtungen der Kömer. Wir fügen hinzu, dass ihre Hauptkraftin dem ausgezeichneten kriegerischen Geist der Römer lag, der aus demstarken Gefühl der Liebe zu dem neuen gemeinsamen Vaterlande Romentsprang. Daraus flössen denn auch alle die rauhen kriegerischenTugenden, durch welche sich die Römer unter Romulus auszeichneten :Massigkeit, Math, Thatkraft und Gehorsam gegen das Oberhaupt. IhrerVaterlandsliebe und den weisen, festen Massregeln des Romulus ver-dankten die Römer jener Zeit auch die ersten Anfänge der mili-tärischen Subordination bei sich, dieses Schutzes und Schirmesnicht allein der Stärke und des Erfolges, sondern des ganzen Bestehenseines auf solche Weise zusammengesetzten Gemeinwesens überhaupt.
Des Romulus Nachfolger entwickelten und vervollkommneten diemilitärischen Organisationen und Einrichtungen Roms den Umständengemäss weiter, aber auf den von Romulus gegebenen Grundlagen und indemselben Geiste. Numa Pompilius 717—679) befestigte und erweitertesie durch die Religion. Tullus Hostilius (679—640) verdoppelte dieReiterei, d. h. auf 600 Mann, um sie stets für zwei Legionen bereit zuhaben, führte körperliche gymnastische) und kriegerische Uebungen beiden Römern ein und befestigte im römischen Heere den Geist der mili-tärischen Disciplin und Subordination. Tarquinius Priscus oder derAeltere (617—578) vermehrte die Reiterei abermals um das Doppelte,also auf 1200 Mann (in vier Legionen). Besonders wichtig sind aber diemilitärischen Einrichtungen des sechsten und bedeutendsten der römi-schen Könige, Servius Tullius (578—534). Um den Einfluss der unterenKlassen des Volkes auf die öffentlichen Angelegenheiten zu beschränkenund dagegen den der höheren Stände zu vermehren, theilte ServiusTullius ausser jener früheren Eintheilung in Tribus noch alle Bürgernach ihrem Vermögen und Geldabgaben in sechs Klassen. Die ersteKlasse ward aus den reichsten Bürgern gebildet und in 80 Centimen ge-theilt, zu denen auch die 18 Centurien der Reiter und Patricier gezähltwurden. Die zweite, dritte und vierte Klasse wurden jede in 20, diefünfte in 30 Centurien getheilt, die sechste aber, aus den ärmsten, be-sitzlosen Bürgern gebildet, bestand nur aus 1 Centurie, obgleich sie nu-merisch sehr stark war. Da die öffentlichen Angelegenheiten, welche