15. Die Feldzügo Alexander's d. Gr. 407
Macht; wo es aber die Notwendigkeit oder die Umstände erforderten,da theilte er seine Kräfte, indessen nur, um sie nachher aufs Neue zuvereinigen.
Stets marschirte und operirte er mit der grössten Schnelligkeit undEntschlossenheit, indem er sich bemühte, den Feind zu überraschen, ihndurch das Unverrnuthete und Plötzliche seiner Erscheinung und seinesAngriffs in Erstaunen zu setzen und zu verwirren und durch die Heftig-keit und Kraft seines Stosses ihn zum Weichen zu bringen.
Er führte den Krieg mit ganz ausserordentlicher Thatkraft; wo aberin Folge der Umstände die Nothwendigkeit vorlag, da zögerte er, war^tcte den günstigsten Moment und die beste Gelegenheit ab, zog inzwischenVerstärkungen an sich und gab seinem Heere zugleich die nöthige Ruhe.
Er führte seine Operationen zu jeder Jahreszeit ohne Unterschied,im Winter wie im Sommer, in bergigen wie in ebenen Gegenden, frucht-baren wie unfruchtbaren Landstrichen, volkreichen wie menschenarmenProvinzen durch, sein Verhalten stets ihnen entsprechend gestaltend, nie-mals ermüdend, trotz aller ihm entgegenstehenden Hindernisse. Wederbreite und reissende Ströme, noch hohe unzugängliche Gebirge, nochSteppen und sandige Wüsten, Nichts war im Stande, ihn abzuschreckenoder aufzuhalten. Im Gegentheil, je grösser die Hindernisse und Ge-fahren waren, desto lieber lenkte er seine Schritte dorthin, vorausgesetzt,dass er nur irgend welchen Nutzen oder Gewinn dabei erblickte. Bis-weilen Hess indessen die Sorge für seine Truppen ihn den weiteren, aberbequemeren Weg dem kürzeren , aber beschwerlicheren vorziehen, javeranlasste ihn sogar zur Umgehung von Hindernissen und des dahinteraufgestellten Feindes.
Bei all seiner Thätigkeit, bei aller Baschheit seiner Bewegungenwidmete er stets der Erhaltung seines Heeres auf voller Stärke seine be-sondere Sorgfalt, — er verstand die seltene Kunst, in dem Maasse wie ervorwärts zog, nicht nur sich nicht zu schwächen, sondern noch sich zuverstärken. AmGranikus hatte er 40,000 Mann gehabt, in den folgendenSchlachten führte er, trotz des Abgangs, den sein Heer in der Zwischen-zeit erlitt (durch die in seinem Rücken belassenen Besatzungen, die inden Affairen mit dem Feinde Gefallenen, an Krankheiten Gestorbenen,Verwundeten, Erkrankten, nach Macedonien und Griechenland Entlasse-nen, und die in Asien Angesiedelten), bei Issus gleichfalls 40,000 Mann,bei Arbela 47,000 Mann und beim Beginn des indischen Feldzugs sogar135,000 Mann ins Gefecht. Das erreichte er durch die aus Macedonienund Griechenland herangezogenen Verstärkungen (ca. 38,000 Mann wäh-rend der ganzen Dauer des Krieges) und besonders durch die Anwerbungvon Truppen in den von ihm eroberten Provinzen Asiens.
Die Verpflegung seines Heeres erfolgte vorzugsweise durch regel-