15. Die Feldzüge Alexander's d. Gr. 405
Jugend und seiner Heissblütigkeit zuzuschreiben und erscheint als na-türliche Folge des schädlichen Einflusses, den beständiges Glück undSchmeicheleien auf ihn geübt hatten, sowie seiner Reizbarkeit und Un-geduld bei Widerspruch und Widersetzlichkeiten.
Seine Ehrsucht war unbegrenzt, aber edel und auf Hohes gerichtet.Er wollte die Welt erobern. aber um griechische Civilisation in ihr zuverbreiten und einen allgemeinen Welthandel zu gründen. Er erklärteden Krieg an Persien, aber um ihren Einfall in Griechenland an denPersern zu rächen, und um Griechenland zu bereichern, nicht aber sichselbst; dies geht daraus hervor, dass er den grössten Theil der in Asiengewonnenen Schätze an die mit ihm gewesenen Macedonier und Griechenvertheilte, nach Griechenland sandte, zur Ausrüstung der Festungen undzu allgemein nützlichen Dingen verwendete etc.
In allen seinen Thaten und Unternehmungen verfolgte er eine unge-wöhnlich weise und umsichtige Politik, indem er Gerechtigkeit, Mildeund Nützlichkeit walten Hess. Durch sie arbeitete er den Erfolgen seinerWaffen vor und erleichterte sie, durch sie befestigte und sicherte er seineEroberungen. Und wenn seine ungeheuere Monarchie zerfiel, so trugendaran die Schuld : sein früher vorzeitiger Tod, und der Umstand, dasskeiner seiner Nachfolger die zur Erhaltung und Weiterbildung des vonihm Geschaffenen unerlässlichen Gaben besass.
Besondere Beachtung verdient das Missverhältniss seiner geringenKräfte und Mittel gegen die kolossale Grösse seiner Unternehmungen,gegen den Umfang, die Entfernung und Schnelligkeit seiner Eroberun-gen und gegen die Anzahl, die Wichtigkeit und- den Glanz seiner Er-folge und Thaten. Mit kaum 40,000 Mann und 200 Talenten eröffneteer den Krieg gegen den König von Persien, der ungeheuere Mittel undStreitkräfte und unermessliche Reichthümer zu seiner Verfügung hatte.Während des Krieges war es nicht leicht für ihn. den Abgang in seinemHeere rasch wieder zu ergänzen, und erst später nach Eroberung der in-neren Provinzen des persischen Reiches erlangte er bedeutende Kräfteund hinreichende Streit- und Geldmittel. Aber bis zu diesem Zeitpunkteverdankte er seine Erfolge weit mehr seiner Tapferkeit, Begabung undKriegskunst, als seinen Streitmitteln und seiner numerischen Stärke.
Seinen militärischen Ruhm erhöht besonders der Umstand, dass erniemals von irgendjemand besiegt worden, sondern stets und über jedenGegner siegte. Es ist wahr, dass seine kriegerische Laufbahn nicht sehrlang war, und es ist ungewiss, ob. wenn er noch weiter vorgedrungenwäre, ihm das Glück stets treu zur Seite gestanden und sich nie verän-dert haben würde, da es doch bei so vielen anderen grossen Männern undFeldherren sich unbeständig erwies. Es ist auch wahr, dass in demKriege gegen die Perser ihm sehr zu Statten kamen: 1) die Ueberlegen-